Pressespiegel
Domiziel in der Presse
Domiziel Pressearchiv 2005
Badische Zeitung vom 15.01.2005
STEINEN AKTUELL
Neue Pläne: Veränderte Pläne gibt es für die Villa Köchlin. Im Erdgeschoss sollen statt einer nun zwei Wohnungen eingerichtet werden. Diesen Bauantrag und andere Bauanträge behandelt der Bau- und Umweltauschuss in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Dienstag, 18. Januar, um 19.30 Uhr im Höllsteiner Rathaus. Auch ist die Stillegung der alten Pumpleitung in Hägelberg ein Thema.
Vortrag: „Wird Energie unbezahlbar? - Visionen und Möglichkeiten etwas dagegen zu tun.“ Unter diesem Motto steht ein Vortrag beim Arbeitskreis Ressourcenschonung und Umwelt der Agenda 21 am Dienstag, 18. Januar, um 19.30 Uhr in der Kaffeemühle im Seniorenzentrum Mühlehof. Als Referenten werden Elke Keller von der Solar-Energie Kandern GmbH und Matthias Sodeik von der Firma SE Consulting sprechen. Dabei stellen sie nochmals die geplante Photovoltaikanlage fürs Schulzentrum Steinen vor.
Kochkurs der VHS: In die vielfältige Welt der leichten vietnamesischen Küche führt Anh Nguyet-Kruse bei einem Kochkurs der Volkshochschule ein. An zwei Abenden wird ein komplettesMenü zubereitet und gegessen. Der erste Abend beginnt am Mittwoch, 19. Januar, um 19.30 Uhr. Anmeldungen bei der VHS Steinen, [TEL] 972-610.
Fotokurs: Einen Grundlagenkurs im digitalen Fotografieren bietet das Seniorenzentrum Mühlehof zusammenmit den Fotofreunden Schopfheim in Steinen an. Der Kurs erstreckt sich über vier Abende und startet am Freitag, 21. Januar, um 19.30 Uhr. Anmeldung im Mühlehof, [TEL] 07627/92000.
Badische Zeitung vom 21.01.2005
Sanierung der Villa Köchlin beginnt
Neue Eigentümer wollen das Gebäude in ihrer Grundsubstanz erhalten und verbessern / Bürgermeister froh über Fortschritt.
Von unserer Mitarbeiterin Ingrid Jennert
STEINEN. Erfreuliche Nachrichten hatte Bürgermeister König in der Post zum Jahresbeginn. Mit der Sanierung der Villa Köchlin in Steinen Ost wird es ernst. Die Firma Minerva Bau GmbH ist mittlerweile der neue Eigentümer des Areals und hat bereits vor Weihnachten mit den ersten Aufräumarbeiten begonnen.
Mit gleicher Post ging ein geringfügiger Änderungsbauantrag an die Verwaltung ein, der jetzt im Bau- und Umweltausschuss abgesegnet wurde. Im Wesentlichen hatte er eine andere Wohnungsaufteilung im Erdgeschoss zum Inhalt. Statt einer großen sollen dort jetzt zwei Wohnungen entstehen. Die eine erhält einen eigenen Zugang von der Westseite. Frank Blum, Geschäftsführer von Minerva Bau, bestätigte in dem Schreiben an König, dass das Nutzungskonzept für die Villa Köchlin eine größtmögliche Erhaltung der Bausubstanz vorsehe. In einem ersten Schritt sollen Erdgeschoss, sowie das erste und zweite Obergeschoss und das Kellergeschoss saniert werden. „Wir werden diese Arbeiten in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt durchführen. . .“ schreibt Blum.
Der Dachausbau des ersten und zweiten Dachgeschosses werde derzeit aus Kostengründen nicht angestrebt, heißt es in dem Schreiben weiter. Vor Weihnachten sei bereits mit vorbereitenden Arbeiten wie Leitungskontrollen und Baustromeinrichtung begonnen worden. Nun sollen Anfang 2005 die Sanierungsarbeiten im Innenbereich losgehen. Ende Januar/Anfang Februar will Minerva Bau die Öffentlichkeit über den Verlauf der Sanierungsarbeiten informieren. Parallel zu den Arbeiten in der Villa sollen auch die beiden Neubauten rechts und links „der Villa“ entstehen, die im Bauantrag enthalten sind, sagte König. Diese beiden Häuser ersetzen das ehemalige Gärtner- und Kutscherhaus, und ergänzen damit die Villa zum historischen Ensemble.
Bei einem Ortstermin im Frühjahr würden dann anhand des Aushubs vom Haus zwei auch die restlichen Stellplätze endgültig festgelegt werden, teilten die neuen Investoren mit. Bürgermeister König freute sich über die positive Entwicklung, die das Schicksal der Villa genommen hat, und bestätigte in der Sitzung, dass der Besitzerwechsel auch grundbuchmäßig vollzogen wurde.
Badische Zeitung vom 19.05.2005
Goldene Krone ist Denkmal des Monats
ST. MÄRGEN (BZ). Das ehemalige „Grandhotel Goldene Krone“ kann auf eine lange Tradition und in jüngster Zeit auf eine besondere Rettungsgeschichte zurückblicken. Angesichts dieser bewegten, erfolgreichen und inzwischen abgeschlossenen Rettungsaktion ist die „Goldene Krone“ in St. Märgen von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats April 2005 erklärt worden.
„Noch zwei Jahre, dann wäre alles zu spät gewesen“, so äußerte sich der Altbau-Experte Willi Sutter noch vor kurzem über den Zustand der „Goldenen Krone“ in St. Märgen. Doch Dank seiner Hilfe und der Hilfe des Förderkreises Lebendiges Dorf geht die Geschichte des ehemaligen Grandhotels weiter. Immerhin reicht diese Geschichte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, als die „Goldene Krone“ als klostereigenes Gasthaus zur Unterbringung und Bewirtung von Pilgern und Geistlichen erbaut wurde. Im Jahr 1771 zog der Bildhauer Matthias Faller, der wohl berühmteste Sohn St. Märgens, dort ein.
Mehrfach war die „Goldene Krone“ in ihrem Bestand bedroht, so 1797 anlässlich einer Einquartierung französischer Truppen, sowie 1823 durch die Flammen einer Feuersbrunst im Dorf. Das damals zweigeschossige barocke Haus wurde auf den alten Mauern mit dem gewölbten Keller wieder aufgebaut, berichtet der Hochrhein-Kurier. Ihre Blütezeit erlebte die „Goldene Krone“ ab 1902, als neue Besitzer ein drittes Stockwerk schufen und die Innenräume prachtvoll ausstatteten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden Besetzung durch französisches Militär, kam der Betrieb nicht mehr in Schwung. Im Jahre 2003 erwarb die bereits erwähnte Bürgerinitiative „Lebendiges Dorf“ die „Goldene Krone“ und baute sie mit viel Einfühlungsvermögen und enormem eigenem Einsatz aus. Der Förderkreis will künftig seine Kosten durch das Vermieten der neu entstandenen Wohnungen erwirtschaften. Der restaurierte Jugendstilsaal soll für eine kulturelle Nutzung dienen. Außerdem wird im Raum nebenan ein Café betrieben. Vorbildlich ist die Idee, hierfür zehn Landfrauen einzustellen, die vom Land und der EU als „innovative Maßnahme für Frauen im ländlichen Raum“ gefördert werden. Am 11. September des vergangenen Jahres wurde die neue „Goldene Krone“ an einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt und am 15. Oktober offiziell eröffnet. Als es um die Finanzierung der Kosten ging, konnte sich die Denkmalstiftung Baden- Württemberg angesichts des bürgerschaftlichen Engagements zur Erhaltung des Kulturdenkmals „Goldene Krone“, vor allem zur Erhaltung der historischen Ausstattung, eines finanziellen Beitrages nicht entziehen.
Badische Zeitung vom 09.07.2005
von Ingrid Jennert
Villa Köchlin wird saniert
STEINEN. Seit über zehn Jahren gammelte die denkmalgeschützte Villa Köchlin vor sich hin, und es fand sich kein Investor, der sie vor dem Verfall bewahren wollte. Nun ist das stattliche Gebäude doch noch aus dem Besitz der Bauträgerfirma in Steinen-Ost, der Mark's-Immobilien Sursee AG, in neuer Hand und auf dem besten Weg, wieder ein architektonisches Schmuckstück am Rande von Steinen zu werden.
Die Firma Habitat GbR, Freiburg ist neuer Eigentümer. Beteiligt ist daran der Freiburger Architekt Frank Blum, unter dessen Anleitung die ehemalige Fabrikantenvilla renoviert wird. Acht Wohnungen zu „sozialverträglichen Mietpreisen“ werden darin entstehen Mit seinem Konzept will Blum wirtschaftliche und denkmal-pflegerische Aspekte unter einen Hut bringen. Zum wirtschaftlichen Konzept gehört, dass Mark's Immobilien rechts und links von der Villa zwei „Kavaliershäuser“, wie sie der Geschäftsführer Michael Dyllick-Brenzinger von Mark's Immobilien bezeichnet, mit je drei großzügigen Eigentumswohnungen neu erbauen kann. Zudem wurde ihm die Genehmigung für zwei weitere Bauten im näheren Umfeld zugesagt. Dadurch könne der Verkauf der Villa zu einem eher symbolischen Preis verschmerzt werden, sagt Brenzinger. Seine Freiburger Traditionsfirma Brenzinger ist auf Rohbauten spezialisiert und hatte wenig Interesse an dem Renovierungsobjekt. Es sei wirtschaftlich ein gewaltiger Unterschied, ob ein Objekt zum Verkauf oder zur Vermietung geplant sei, sagt Brenzinger. Blum und die anderen Gesellschafter der Habitat betrachten die Villa als langfristiges Renditeobjekt durch Vermietung. Die „Kavaliershäuser“ sollen das ehemalige Gärtner- und das Kutscherhaus aus dem 19. Jahrhundert ersetzen und damit an das historische Ensemble erinnern. Der entstehende Innenhof wird autofrei bleiben. Die schmucke Villa wertet das gesamte Ensemble auf, und Brenzinger spricht jetzt von einer „dreifachen Win-win-Situation“. Allen sei gedient, Mark's Immobilien, aber auch der Gemeinde Steinen, weil ein repräsentatives Gebäude erhalten werde, und Habitat, die denkmalgeschützte Häuser unter einem sozialen Aspekt renoviere und vermiete. Von Weitem schon ist für jedermann sichtbar, dass an der Villa einiges gegangen ist. Das Dach ist neu eingedeckt und strahlt in frischem Ziegelrot. Neben den n Wiederkehrgauben im ersten Dachgeschoss wurden zwei neue darüber eingebaut, um im Dachspitz später einmal zwei weitere kleine Wohnungen (Nummer sieben und acht) ausbauen zu können. Auch dies ein Tribut an die notwendige Wirtschaftlichkeit und vom Denkmalamt toleriert. Architekt Blum streicht liebevoll über eine frisch gestrichene Tür im ersten Dachgeschoss. „Wir reparieren die Villa und wollen soviel wie möglich erhalten“, betont er. Türen und Schlösser bleiben. Auch die Böden würden, soweit noch vorhanden, belassen. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind noch Eichendielen oder Eichenfriese um Quadrate aus Tannenholz zu finden. „Das wird abgeschliffen, gewachst und geölt“, erklärt Blum. Wer Altbauten saniert, werde zwangsläufig zum Baubiologen, weil er alte Baumaterialien verwenden müsse. Die hohen Wohnräume, die schon renoviert sind, strahlen ausnahmslos Atmosphäre aus. Der Blick nach Süden geht ins Grün des umgebenden Parks und zur Wiese. Der bei der Villa verbliebene Parkanteil soll allen Mietern zugänglich sein, weshalb vom Treppenhaus auf der Nordseite aus auch ein Ausgang nach Süden führt, direkt zur herrschaftlichen Freitreppe. Es gibt aber noch viel Arbeit in dem Gebäude. So müssen Treppen und Balkone in den Laubengängen auf der Nordseite noch ausgebaut werden. Alles Reparaturarbeiten und keine Massenproduktionen. Einen Teil führt die Firma „Domiziel“ aus Titisee Neustadt aus. Das Bauunternehmen wurde 1998 von Bauhandwerkern, die früher selbständig im Bereich der Altbausanierung und des Denkmalschutzes tätig waren, und von Sozialarbeitern und einem Architekten und Bauingenieur gegründet. Miteigentümer Willi Sutter ist Sozialarbeiter und Geschäftsführer, auch von der Habitat GbR. Die zehn Mitarbeiter von Domiziel, die in der Villa beschäftigt sind, kommen zum größten Teil aus dem Obdachlosenmilieu. Sie erhalten Anleitung bei der Arbeit und können sich hier im geschützten Rahmen für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. Der Auftrag für die Villa sei ein reines „Arbeitsprojekt“, sagt Sutter. Domiziel habe schon mehrfach und erfolgreich Altbauten vor dem Abbruch gerettet und sie mit Obdachlosen saniert, in denen dann auch Wohnungen für sie entstanden sind.
Badische Zeitung vom 18.08.2005
von Rainer Klotz
Jugendliche arbeiten im Blauen Haus
BREISACH. Wieder einmal geht im Blauen Haus ein arbeitsreiches Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste zu Ende. 12 Jugendliche aus Polen, Deutschland und den USA haben in tagelanger Arbeit freiwillig einen Kellerraum von aufgeschütteter Erde befreit und den darunter liegenden Pflasterboden freigelegt.
„Hier war alles voller Schutt und Dreck, wir haben sogar Fahrräder rausgeholt“, erzählt die Studentin Katharina Schmidt-Brass aus München. Die Teilnehmer des Sommerlagers haben eine ungefähr 50 Zentimeter dicke Erdschicht entfernt. Den vorderen Kellerbau, der schon vor einiger Zeit freigelegt wurde, haben die Jugendlichen zudem neu gepflastert. Im zweiten Teil des Projekts wurden auf dem jüdischen Friedhof im elsässischen Mackenheim vom Hochwasser verschüttete Grabsteine an die Oberfläche geholt und gesäubert. Die Steine sollen in weiteren Schritten fotografiert und dokumentiert werden, um ein Kataster anlegen zu können.
Die Vorsitzende des „Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach“, Christiane Walesch-Schneller, ist mehr als zufrieden mit der Arbeit der freiwilligen Helfer in den letzten vier Jahren. „Die Sommerlager haben den Grundstein für die Erforschung der Hausgeschichte gelegt“, so Walesch-Schneller. Langfristig soll aus dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus ein Dokumentations- und Begegnungszentrum werden. Professionelle Unterstützung bekamen die Jugendlichen am Mittwoch von der Denkmalpflege. Aus Freiburg waren Gabriele Weber-Jenisch und Bertram Jenisch gekommen, um sich den Pflasterboden des Kellerraums anzuschauen. Warum die Erde einst in den Raum geschüttet wurde, konnten die beiden auf den ersten Blick auch nicht erklären. Eine Analyse von in der Erde gefundenen Scherben könnte Klarheit bringen. Zumindest ließe sich damit der Zeitraum der Aufschüttung ermitteln. Möglich wäre unter anderem, dass der Raum vor der Aufschüttung als Weinlager gedient haben könnte. „Danach könnte man die Erde aufgefüllt haben, um Feldfrüchte lagern zu können“, vermutet Bertram Jenisch. Die ehemalige Funktion des Raumes wird wohl noch einige Zeit im Dunkeln verborgen bleiben. Einiges ist jetzt aber trotzdem schon zu erkennen, der Raum hatte eine Abflussrinne und am tiefsten Punkt eine Sammelstelle für Wasser. Auch ist ein möglicher Eingang zu sehen, der in einem nächsten Projekt freigelegt werden soll. Der Keller wurde an die Stadtmauer angesetzt, wahrscheinlich im 17. Jahrhundert, wie Jenisch vermutet. Die 18-jährige Schülerin Asia Michalska kommt aus der Nähe von Warschau, sie hat von Freunden und im Internet von dem Sommerlager erfahren. Sie nimmt an dem Projekt teil, um mehr über jüdische Geschichte zu erfahren und bei der praktischen Arbeit mitzuhelfen. Außerdem will sie die Gelegenheit nutzen, um ihr Deutsch zu verbessern. Sehr spannend fand die polnische Schülerin die Arbeiten auf dem Mackenheimer Friedhof. „Wir haben dort Grabsteine gefunden, die fast 300 Jahre alt waren“, erzählt Katharina Schmidt-Brass voller Stolz. Sie lobt die Unterstützung seitens der Breisacher und Mackenheimer Bevölkerung für das Projekt. „Sie haben uns sehr herzlich empfangen“, freut sich die Studentin. Die Vogtsburgerin Denise Göpfert ist mit ihren 16 Jahren die jüngste im Bunde. Auch sie hilft begeistert mit, Spuren jüdischen Lebens in Breisach und der Umgebung zu finden. Aber nebenbei bleibt auch noch Raum für Freizeit. So besuchte die Gruppe Straßburg, Basel und Freiburg.
Badische Zeitung vom 26.10.2005
von Ingrid Jennert
Kein Abriss für Villa Köchlin
TITISEE-NEUSTADT/STEINEN. Zehn Jahre lang wollte niemand die Fabrikantenvilla Köchlin in Steinen kaufen. Der Eigentümer hatte die denkmalgeschützte Villa aus dem Jahr 1850 - der Blütezeit der Textilindustrie im Wiesental - aufgegeben. Bald wäre sie abbruchreif gewesen. Jetzt sanieren Langzeitarbeitslose die Wohnungen, die zu „sozialverträglichen Preisen“ vermietet werden sollen. Der Freiburger Architekt Frank Blum hat die weiße Villa zusammen mit der Firma „Domiziel - Arbeiten und Wohnen“ erworben. Domiziel versteht sich als nachhaltiges Beschäftigungsprojekt. Menschen ohne Wohnung und Arbeit erhalten nicht nur eine Chance, im ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zufassen, sondern sie schaffen in den meisten Fällen mit ihrer Arbeit auf dem Bau gleichzeitig ihren späteren Wohnraum. 1998 gründeten Handwerker und ein Bauingenieur, die sich auf Altbausanierung spezialisiert hatten, Domiziel gemeinsam mit Sozialarbeitern aus dem Wohnungslosenbereich. Die Idee: Mit zinsverbilligten Darlehen aus dem Landeswohnungsbauprogramm für „besondere Bedarfsgruppen“ Altbauten zu sanieren und sie dann an Menschen zu vermieten, die von Wohnungsnot betroffen sind. Gleichzeitig sollten sie sich mit den Sanierungen für eine geregelte Arbeit qualifizieren können. „Unsere Klientel hat nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chancen“, erläutert Mitbegründer Willi Sutter.
„Ohne Führerschein hätte ich niemals eine Beschäftigung gefunden“, sagt Markus (30). Von Montag bis Donnerstag ist er nun von morgens fünf Uhr bis abends um halb acht Uhr unterwegs. Wegen Beschaffungskriminalität verurteilt, ist er im Maßregelvollzug im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen. „Ich habe mich für eine Wohnung vormerken lassen“, verkündeter stolz.
Mehr als zwölf Hausbauprojekte hat Domiziel in Titisee-Neustadt, Breisach und Freiburg bereits fertig. Entstanden sind 19 Sozialwohnungen für Familien, 44 Appartements für Wohnungslose, eine Wohngruppe für Demenzkranke und sechs frei finanzierte Wohnungen. Das Beschäftigungsprojekt habe auch positive Effekte für die Kommunen, sagt Domiziel-Chef Sutter. Es werde finanzierbarer Wohnraum für sozial Benachteiligte geschaffen, und außerdem würden oft problematische städtische Immobilien saniert. Die Villa Köchlin in Steinen ist dafür ein gutes Beispiel. Positiv für das jeweilige Ortsbild wirken sich aber auch die Projekte „Kartäuser“ in Freiburg, die Sanierung der alten „Papiere“ und das Projekt „Arcus“ jeweils in Titisee-Neustadt aus. Kurz vor der Fertigstellung steht der „Hirschen“ in Freiburg-Ebnet Dort entstanden fünf Appartements für Wohnungslose und eines für demenzkranke Senioren, die als Wohngruppe in einem Modellprojekt zusammenleben. Im Erdgeschoss leben Studenten. Acht sozial Benachteiligte erhalten bei Domiziel derzeit versicherungspflichtige Dauerarbeitsplätze. Bei der Vergabe arbeitet die Firma mit der Caritas und der Diakonie zusammen. Die Geschäftsführer Willi Sutter und Carsten Albert sind die Anleiter auf der Baustelle. Albert verschweigt die Probleme nicht. Alkohol sei bei vielen „das zentrale Problem“. Ihre Vermittlung in Arbeit scheitere häufig am Führerscheinentzug. Er akzeptiere die Schwächen, wenn eine Einsicht erkennbar ist Als Folge von Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen sei ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Nur wenn einer gar nicht spure, müsse er gehen.
Badische Zeitung vom 08.11.2005
Goldene Krone bekommt Denkmalschutzpreis
ST. MÄRGEN (ju). Bereits zum 28. Mal wird der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg verliehen. Er geht an fünf Preisträger, darunter auch die „Goldene Krone“ in St. Märgen. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung, soll private Organisationen bei ihrem Vorhaben unterstützen, die Denkmäler zu erhalten. Ihr Engagement soll auf diesem Wege bekannt werden, und Nachahmer finden, meinte Staatssekretär Rudolf Köberle gestern bei der Verleihung in Schwäbisch Hall. Die „Goldene Krone“ in St. Märgen ist bereits 1757 erbaut worden. Anfangs diente sie als Kloster-Herberge. Später wandelte sie sich zum Gasthof und später zum führenden Grandhotel im Schwarzwald. Die Bauweise des Gebäudes repräsentiert den Stil der Jahrhundertwende. Berühmte Gäste wie Edith Stein, Karl May, Konrad Adenauer und mehr haben ihren Namenszug in den Gästebüchern eingetragen. In den 1960er Jahren fehlte das Geld für Renovierungen und so stand das Hotel Jahre leer, bis der Förderverein „Lebendiges Dorf“ 2003 das Haus kaufte. Elf Privatpersonen schlossen sich zur „Goldenen Krone“ GbR zusammen und setzten sich für die Erhaltung des Baudenkmals ein, in dem heute ein Café ist und der Jugendstilsaal für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Über die Verleihung berichten wir noch ausführlich.
Badische Zeitung vom 19.11.2005
Der „LUI" krönt die Goldene Krone
Jahresausflug zur Ehrung: Der erste Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovation geht nach St. Märgen
von Monika Rombach
STUTTGART/ST. MÄRGEN. Es ist nicht der erste Preis, den die „Goldene Krone" erhielt, aber ein ganz besonderer: Goldene Krone GbR und Landfrauencafé erzielten den 1. Preis des „Landwirtschaftspreises für unternehmerische Innovation 2005". Und setzten sich damit an die Spitze der 25 eingereichten, der fünf in die engste Auswahl gelangten und der drei preisgekrönten Projekte.
Überreicht wurden der zum neunten Mal vergebene Preis und „LUI", der augenfällige Pokal, vom Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Peter Hauk, an Josef Saier und Beate Waldera-Kynast im Schlosssaal der Universität Hohenheim (Stuttgart). Zwei zweite Preise folgten: Der eine für den „Laserfox", ein handliches Zusatzgerät für Motorsägen aller Typen zu Arbeitsentlastung und Zeitersparnis beim Stammschneiden. Erfinder ist Ralf Basler aus Waldshut-Gais. Der andere ging an Benjamin Hertweck aus Schwanau; er erfand einen mechanischen Pfahleindrücker für das Winzerhandwerk im Sinne von Unfallverhütung, Gesundheitsschutz, Zeit- und Kräfteersparnis.
In eindrucksvollem Festakt mit prominenter Gästeliste, Hausherr Professor Hans-Peter Liebig und Minister Hauk an der Spitze, stellte Juryvorsitzender Stefan Schäfer die Projekte vor, die er und seine 15 Kollegen „sehr sorgfältig" ausgewählt hatten. Der Landwirtschaftspreis zeichnet Projekte mit Vorbildfunktion, Unternehmenskooperationen und Initiativen zur Förderung des ländlichen Raums aus und ist mit 5000 Euro dotiert Ausgelobt wird er von den Landjugendverbänden in Baden-Württemberg, der ZG Raiffeisen eG Karlsruhe und der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft des Landes.
Das St Märgener Projekt steht mit seinem Netzwerkcharakter wahrhaft beispielhaft dafür: Mit dem Erhalt eines denkmalgeschützten Gebäudes von großer historischer Bedeutung im Ensemble des Ortskernes der Hochschwarzwaldgemeinde durch die Goldene Krone GbR, von elf Personen zum Erwerb des Hauses gegründet. Diese GbR entstand aus Mitgliedern des „Förderkreises lebendiges Dorf" mit seinen Schwerpunkten Schutz von Kulturdenkmälern, Natur und Landschaft sowie Dorfentwicklung im ländlichen Raum. Zur originalgetreuen Restaurierung und Renovierung gesellte sich eine für den ländlichen Raum bedeutende Nutzung, mit Wohnraum, Arbeitsplätzen, ökologisch fundierter Unterhaltung. Kultur in vielen Facetten verzahnt sich mit dem Umfeld der „Goldenen Krone". Das Landfrauencafé mit seinen ausgewählten regionalen Produkten steht als Modell für Landfrauen-Innovation und bereichert das Ambiente des Projekts. Visionen leiteten die Initiatoren, deren Weg mitunter von Missgunst und Neid gepflastert war. Doch ließen sie sich nicht abbringen. Im Gegenteil, mit dem Buch „Spurensuche in St. Märgen - Künstler und Philosophen" und dem stets ausverkauften Mundartspiel „Die Schwarzwaldengländer" bereicherten sie ihre Initiative.
Groß war die Freude der Preisträger aus St. Märgen, hatte doch das Landfrauencafé seinen Betriebsausflug mit der Auszeichnung in Stuttgart verbunden. Bürgermeister Josef Waldvogel nahm den Weg in Kauf, und auch Friedhilde Munz, Referat Betriebswirtschaft im Regierungspräsidium Freiburg, eine wertvolle Beraterin, stellte sich ein. Stil und Präsentation „krönten" an diesem Abend das Krone-Projekt eindrucksvoll vom Minister bis zur pfiffigen Band des Festaktes, die vor den Landfrauen sogar musizierend auf die Knie sank.