Pressespiegel
Domiziel in der Presse
Domiziel Pressearchiv 2004
Badische Zeitung vom 24.03.2004
Denkmal des Monats in Baden-Württemberg
Das „Blaue Haus“ lässt Geschichte anschaulich werden
BREISACH (gz). Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat das ehemalige jüdische Gemeindehaus in Breisach zum „Denkmal des Monats März 2004“ im Land erklärt.
Das jüdische Gemeindehaus in Breisach wurde 1691 als Gasthaus „St. Peter“ erbaut und stellt eines der wenigen Gebäude dar, die bei den Zerstörungen Breisachs in den Jahren 1793 und 1945 erhalten geblieben sind. In den Jahren 1301 bis 1424 lebten mit Unterbrechungen immer wieder Juden in Breisach. Aber erst ab 1638 gab es durchgängig bis 1940 jüdische Einwohner.
Zeugnis der Geschichte der jüdischen Gemeinde ist das ehemalige jüdische Gemeindehaus in der Rheintorstraße (früher Judengasse), das 1829 durch die israelitische Gemeinde Breisachs erworben wurde. Bis 1876 war es israelitische Schule und zeitweise auch jüdisches Armenspital, danach bis 1940 israelitisches Gemeindehaus und Wohnung des Kantors. Nach der Zerstörung der jüdischen Synagoge 1938 durch die Nationalsozialisten wurde es bis 1940 als Gebetssaal der jüdischen Gemeinde genutzt. Nach Ende der Nazi-Herrschaft wurde das Gebäude 1953 an den Oberrat der Israeliten Badens zurückgegeben. Nach einer privaten Nutzung hat der Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach das Haus gekauft und daraus in den Jahren 2002 und 2003 eine Gedenkstätte gemacht, die im Juni 2003 eingeweiht wurde.
An der Wiederbelebung der jüdischen Geschichte haben viele Institutionen mitgewirkt. Dazu gehört auch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die sowohl den Grunderwerb als auch die Renovierung des Gebäudes gefördert hat und vor genau zwei Jahren, im März 2002, die erste Auszahlung für das Projekt leistete.
Dies ist für die Denkmalstiftung Anlass, das „Blaue Haus“, wie das Gebäude inzwischen nach der Renovierung genannt wird, zum „Denkmal des Monats März 2004“ in Baden-Württemberg zu erklären. Es lasse Geschichte anschaulich werden.
Weitere Informationen zum ehemaligen jüdischen Gemeindehaus in Breisach gibt es im Internet unter www.juedisches-leben.in-breisach.de
Badische Zeitung vom 10.04.2004
Mit Frauen vom Land die „Goldene Krone“ beleben
Mit einem Café an die gastronomische Vergangenheit anknüpfen / Beate Waldera-Kynast erläutert im Kapitelsaal ihr Konzept
ST. MÄRGEN. Ein Café der besonderen Art soll die gastronomische Vergangenheit der „Goldene Krone“ wieder beleben: Beate Waldera-Kynast möchte mit Frauen vom Land neben selbst gebackenem Kuchen und diversen Kaffeespezialitäten, hausgemachte Speisen aus regionalen Erzeugnissen und Produkten der Saison anbieten. Ein Produktionsbetrieb und ein kleiner Laden sollen das Konzept abrunden. Waldera-Kynast stellte ihr Projekt am Montagabend im Kapitelsaal vor rund 80 Frauen und auch einigen Männer vor.
„Ich habe eine Vision“, sagte die 40-jährige Bilanzbuchhalterin und Bürofachwirtin und zeigte ein altes Foto der ehemaligen „Goldenen Krone“ mit Kaffeegarten. An diese Tradition wolle sie anknüpfen. „Ich möchte, dass die 'Goldene Krone' wieder Mittelpunkt wird und ihre alte Identität bekommt“.
Um das zu verwirklichen, sei ein Konzept notwendig, das sich von anderen abhebe. „Der Schlüssel zum Erfolg ist das Einfache“, begründete sie deshalb ihre Absicht, auf die vor Ort vorhandenen Ressourcen zurückzugreifen: Mit regionalen Produkten sollen Frauen von hier frische, einfache Speisen zubereiten, sie sollen Kuchen backen, kellnern und vieles mehr. Die Hausfrauen hätten viele Talente und Fähigkeiten, sagte Beate Waldera-Kynast, die sie gern bündeln und nutzen wolle.
Der Schwerpunkt des Angebots soll bei Backwaren, Milch- und Käsespezialitäten, Suppen und Eintöpfen, Mehlspeisen sowie Gemüse und Salaten der Saison liegen. Nachmittags gibt es an Werktagen Kuchen, Bauernhofeis, Desserts, Quark, Joghurt, Kaffee, verschiedene Tees, Milch, Schokolade. Die Limonade kommt nicht von bekannten Großkonzernen, sondern aus Lenzkirch. Auch Sekt, Liköre oder Bowle stammen aus der Gegend.
Sie wünsche sich das Cafe als einen Ort, „an dem man schöne Stunden verbringen kann“. Der Gastraum mit rund 60 Plätzen hat Wohnzimmercharakter mit einem Stammtisch am Kachelofen, Sesseln und einem Sofa. Und: Es darf nicht geraucht werden. „Es verträgt sich einfach nicht mit dem wunderbaren Duft der angebotenen Waren und mit der Atmosphäre“, begründete Waldera-Kynast ihre Nichtraucherhaltung.
Für die Einheimischen soll das Café „ein Treffpunkt, ein Mittelpunkt, ein Zuhause sein“, so Waldera-Kynast, so wie es die „Goldene Krone“ früher war. Vorerst soll das Café nur im Gebäude geöffnet sein, gegenüber dem Jugendstilsaal im Erdgeschoss.
Ab dem Frühjahr 2005 kommt ein Gartenbereich hinzu. Im räumlich integrierten Laden sollen regionale Erzeugnisse angeboten werden. Kulturangebote runden das Konzept ab, sagte Waldera-Kynast. Denkbar seien Musikmatineen am Sonntagmorgen, eine Leseinsel oder ein „Denker- und Lenker-Café“, bei dem ein Theoretiker und ein Praktiker vor Publikum auf dem Sofa diskutieren sollen.
Am 1. August 2004 sei die Küche voraussichtlich bezugsfertig, im September, noch vor dem Rossfest, könne eröffnet werden. Ab sofort können sich Interessierte, die mitarbeiten wollen, bei Kynast melden.
Förderprogramm sichert Lebensqualität der Region
Hannelore Green vom Landwirtschaftsamt Titisee-Neustadt stellte das Förderprogramm „Innovative Projekte von Frauen im ländlichen Raum“ vor, in dessen Rahmen Kynast ihre Idee verwirklichen möchte. Das Programm soll die Lebensqualität der Frauen vom Land durch eigenes Einkommen sichern, gefördert wird es vom Ministerium für ländlichen Raum und der EU. „Für uns Frauen in der Region finde ich das ein sehr wichtiges Projekt“, sagte Green. Ob es verwirklicht wird, hängt davon ab, wie viele Frauen sich zur Mitarbeit melden. Info: Beate Kynast, [TEL] 07669 / 921 233, Email: Waldera-Kynast@web.de.
Badische Zeitung vom 03.06.2004
Ein Schutz für die heruntergekommene Villa Köchlin
Eigentümer verschließt nach Gespräch mit dem Bürgermeister die Fenster und Türen / Weiteren Schäden soll vorgebeugt werden
STEINEN. Nach einem Gespräch mit dem Eigentümer konnte erreicht werden, dass die Fenster und Türen der Villa Köchlin verschlossen wurden, teilte Bürgermeister Rainer König im Bau- und Umweltausschuss mit. Das sei nötig gewesen, um weiteren Schäden vorzubeugen. In der Vergangenheit wurde beobachtet, dass die unbewohnte und leer stehende Villa Köchlin nächtliche Besucher hatte. Bereits im Februar vergangenen Jahres genehmigte der Gemeinderat ein Sanierungs- und Umbaukonzept für die Villa (wir berichteten).
Geplant war der Neubau von zwei Wohnhäusern und Tiefgarage, wobei die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden sollten. Für das Grundstück der Villa Köchlin liegt seit September 2001 eine Baugenehmigung vor. Bislang allerdings wurden die Pläne nicht realisiert.
Badische Zeitung vom 21.08.2004
Die Goldene Krone:„Für das Denkmalamt ein Vorzeigeobjekt“
Förderkreis und Handwerker haben bei der Restaurierung ganze Arbeit geleistet / Bürgermeister Josef Waldvogel ist mit dem Ergebnis rundum zufrieden
ST. MÄRGEN (awe). „Wenn man hier reinkommt, geht einem das Herz auf“, schwärmte Bürgermeister Josef Waldvogel bei der Besichtigung der Goldenen Krone. Die letzten Arbeiten sind in vollem Gange, am 9. September eröffnet das Café, 11. September ist Tag der offenen Tür. „Die Krone hat Glück gehabt“, erklärte Willi Sutter von der Firma „Domiziel“, der die Restaurierung betreut hat Die elf Mitglieder vom Förderkreis Lebendiges Dorf hätten sich auf eine Art und Weise engagiert, „wie man es nur selten erlebt“. Und sie seien gerade noch rechtzeitig gekommen: „Ein, zwei Jahre später wäre die Krone nicht mehr zu halten gewesen.“ Das Dach sei undicht gewesen, mit der Statik habe man mehr Probleme gehabt, als erwartet. Das gesamte Haus war nur auf ein paar Säulen im Jugendstilsaal gestützt, die auf das Kellergewölbe drückten. Mit einem Betonboden unter dem Saal haben die Handwerker die Kellerdecken entlastet. Im Jahr 1900, bei der Aufstockung der ehemaligen Klosterherberge zum Kurhotel, „haben die schon ziemlich gepfuscht“, meint Sutter. Auch mit dem Dachstuhl, der einfach „draufgepflümelt“ worden sei. Das Geld sei damals hauptsächlich in die Innenausstattung gesteckt worden.
Es sei viel Arbeit gewesen, diese Baufehler zu beheben. Den Zierbalkon „wollten wir ursprünglich komplett halten“, aber er war an manchen Stellen so verfault, dass sie nachgearbeitet werden mussten und nur einige Originalteile wieder verwendet werden konnten. Die Goldene Krone sei „fürs Denkmalamt ein Vorzeigeobjekt“, meint Sutter, denn hier sei die Entwicklung eines Ortes über Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar. Damit dies so bleibt, wurde die alte Raumeinteilung erhalten. Der Hauptkorridor im ersten Stock etwa ist lediglich durch Wände unterteilt, seine Abschnitte gehören zu verschiedenen Wohnungen. Nicht nur das Gebäude der Goldenen Krone sei historisch herausragend, sondern auch die Restaurierung, sagte Sutter. Wo immer es möglich war, wurden Originale wieder eingebaut, teilweise verschmälert oder ergänzt durch nachgemachte Stücke, etwa alte Türen oder die Sprossen eines Treppengeländers. Manches habe nicht funktioniert, „zum Glück“. So wurde nicht wie geplant eine Ölheizung eingebaut, sondern eine Holzpelletheizung, die jederzeit auf Hackschnitzel umgestellt werden kann. Die Krone habe „ein enorm modernes Heizungskonzept“, so Sutter, der Niedrigenergiestandard sei für ein solches Kulturdenkmal „fast einmalig“.
Ungewöhnlich war auch die Vorgehensweise. Von Anfang an waren die Handwerksbetriebe integriert, das heißt, sie haben mit geplant und die Ausschreibungen mit formuliert. „Wir haben nicht nur Vorgaben gemacht“, so Sutter. Viele Handwerker haben Pauschalpreise angeboten, so dass der Förderkreis keine Mehrkosten im Nachhinein zu fürchten hatte. „Keiner hat sich verkalkuliert“, freute sich Sutter, „sie haben gewusst, was auf sie zukommt“. Von Anfang an habe ein gutes Arbeitsklima geherrscht, jeder habe sich selber Gedanken gemacht, „getüftelt und gemacht“, so dass vieles geleistet werden konnte, was die Planer ohne das Fachwissen der Handwerker gar nicht hätten lösen können. Josef Saier vom Förderkreis bestätigt: „Das Klima war echt super. Als Bauherr sind wir sehr zufrieden.“ Insgesamt hat der Umbau brutto 1050 Euro pro Quadratmeter gekostet, mit dem Erwerb des Grundstücks sogar 1250 Euro. „Das ist enorm“, meinte Sutter, aber dennoch „ein Preisniveau, das einfach phänomenal ist“, wenn man bedenke, wie hochwertig die Krone nun ausgestattet sei. Der Förderkreis will seine Kosten durch das Vermieten der Wohnungen wieder erwirtschaften. Bis auf zwei Wohnungen seien bereits alle vergeben, sagte Uli Nocke. „Wir mussten gar nicht groß werben.“ Wie der Jugendstilsaal genutzt wird, ist noch offen. Der Förderkreis will ihn selbst betreiben und ein Programm entwickeln. Denkbar seien Theateraufführungen, Konzerte oder auch Seminare. „Da gibt' s noch viel zu entdecken und weiterzuentwickeln“, immerhin sei der städtisch geprägte Saal einzigartig in der Umgebung.
Fest steht hingegen die Nutzung des Raumes nebenan: Am 9. September eröffnet Beate Waldera-Kynast ihr Café. Ihre Idee wurde vom Land und der EU als „Innovative Maßnahme für Frauen im Ländlichen Raum“ gefördert, so dass sie zehn Landfrauen einstellen konnte. „Am 9. Oktober richten wir die erste Hochzeit aus“, berichtet sie, „mit 120 Gästen“. Am 11. September ist Tag der offenen Tür im gesamten Gebäude, und am 15. Oktober ist offizielle Eröffnung. Bürgermeister Waldvogel hofft, „dass wir einen guten Start haben und dass das hier ein Teil von St. Märgen wird“.
Badische Zeitung vom 20.09.2004
Das Holz wächst zum Fenster herein
Forstamtsleiter Rudi Kynast freut sich über den Vormarsch alternativer Energieversorgungen
ST. MÄRGEN (spe). Die Energieversorgung mit Brennstoffen aus Biomasse liegt im Trend. Vor allem, wenn der Rohstoff Holz vor der eigenen Haustür wächst. Deshalb setzen auch zunehmend Touristikbetriebe im Hochschwarzwald bei ihrer Entscheidung für eine Holzpelletsheizung auf das Heizen mit erneuerbaren Energien.
Das Beispiel der „Goldenen Krone“ in St Märgen zeigt, dass selbst denkmalgeschützte Gebäude mit Hilfe modernster Energietechnik wieder in neuem Glanz erstrahlen können. Seit kurzem bezieht das frisch restaurierte Haus seinen Wärmebedarf aus einer 100 kW leistungsstarken Holzpelletsanlage. „Eine Anlage mit dieser Leistungsstärke gehört schon zu den große Anlagen im Vergleich zu Pelletsheizungen für Ein- bis Zweifamilienhäuser mit bis zu 30 KW“, sagt Bernd Schmidt von der Herstellerfirma für Pelletsheizkessel. Die gute Zusammenarbeit von Förderkreis und Handwerkern zeigt jetzt nach Abschluss der Restaurierung des historisch wertvollen Gebäudes erstmals Wirkung: „Der Niedrigenergiestandard, den wir hier erreicht haben, ist für ein denkmalgeschütztes Gebäude einmalig“, so das Resümee von Willi Sutter, Geschäftsführer der Titisee-Neustädter Sanierungsfirma „Domiziel“. „Wir haben mit dem modernen Heizungskonzept sogar die Werte der neuen Energieeinsparverordnung (ENEV) erreicht. „ Langfristig gesehen rechnen die Bauherren dadurch mit einer jährlichen CO2-Einsparung von 132 Tonnen. Bei dem geschätzten Jahresverbrauch von rund 35 000 Kilogramm Pellets würden langfristig Betriebskosten eingespart, ist Josef Saier vom Förderkreis überzeugt. „Wenn man bedenkt, dass in den 70er Jahren bei Vollbelegung des Hotels ein Jahresverbrauch von 40- bis 50 000 Litern Heizöl üblich war, ist das enorm.“ Eine komplette LKW-Ladung füllt die kleinen Holzpresslinge über ein Befüllrohr von außen in den 45 Kubikmeter großen Lagerraum im historischen Gewölbekeller. Das Besondere an der umweltfreundlichen Heizungsanlage ist ein Kombiheizkessel, der sich per Knopfdruck von Hackschnitzel auf Pellets umstellen lässt. In den Sommermonaten, bei niedrigerem Wärmebedarf, wird die Goldene Krone künftig mit Hackschnitzel heizen, die direkt vom Forst angeliefert werden. Nicht nur zur Freude des Förderkreises. Auch Forstamtsleiter Rudi Kynast, der demnächst eine der Mietwohnungen im Haus beziehen wird, schätzt nach jahrelanger Erfahrung mit einer Hackschnitzelanlage im Forstamt St. Märgen die Vorteile des Heizens mit Holz. Dass es künftig Versorgungsengpässe bei einer steigenden Zahl von Haushalten mit Holzpelletsheizungen geben könnte, ist nach seiner Einschätzung nicht zu befürchten. Im Gegenteil: „Hier im Hochschwarzwald wächst das Holz zum Fenster herein“, so dass die Nutzung der großen Mengen an heimischen Resthölzern den Holzmarkt eher entlasten würde. Sämtliche Schwarzwaldgemeinden könnten auf lange Sicht mit Holz ihren Wärmebedarf decken. Auch bei kleineren Touristikbetrieben im Hochschwarzwald hat das Energiesparen inzwischen Einzug gehalten. Seitdem Karin Dillmann aus Lenzkirch das umweltfreundliche Heizen mit Holzpellets für ihre Pension entdeckt hat, findet die neue 60-KW-Pelletsanlage mit Warmwasserbereitung auch bei ihren Gästen Anklang. Das Interesse an der neuen Heiztechnik führt sie nicht selten in den Heizungskeller, zum Standort der Pelletsheizung, die eine Wohnfläche von 400 m2 beheizt. Die Gesamtinvestition für die neue Heizanlage schlug für Karin Dillmann zwar mit rund 5000 Euro Mehrkosten gegenüber einer neuen Ölheizung zu Buche. Doch mit der aktuellen Berechnung des Wärmebedarfs von 69 000 KW im Vergleich zum bisherigen Verbrauch von 80 000 KW-Stunden, rechnet sie künftig mit deutlich geringeren Energiekosten. Auch das regelmäßige Entleeren der Asche aus dem Aschebehälter (im Winter alle drei Wochen), ist für die Hausbesitzerin schon Routine geworden. Als Biomasse kann die Asche problemlos im Garten entsorgt werden.
Badische Zeitung vom 30.09.2004
Letzte Chance für die Villa Köchlin
Gemeinderat stimmt Sanierungskonzept mit Besitzerwechsel plus zwei neuen Häusern zu / Wohnungen sollen vermietet werden
STEINEN. Letzte Chance für die alte Villa Köchlin: In seiner Sitzung am Dienstagabend stellte der Gemeinderat einmal mehr die Weichen zur Rettung des vom Verfall bedrohten Kulturdenkmals. Ein neues Sanierungskonzept liegt vor. Dem stimmte das Gremium ebenso zu wie den Folgen im Erfolgsfall. Dann nämlich können noch zwei Häuser zu den beiden bereits geplanten beiden neuen Häusern gebaut werden.
Bürgermeister Rainer König erinnerte an die lange Geschichte um die Sanierung der alten Villa. Seit 2001 laufen die Bemühungen des Besitzers, die Villa zu sanieren und zu vermarkten. Doch bislang vergeblich. Auch das letzte Konzept aus dem Jahr 2003 ging nicht auf. Damals stimmte der Gemeinderat zu, dass in der Villa Eigentumswohnungen geschaffen werden und dass zwecks besserer Vermarktung links und rechts der Villa noch zwei Häuser gebaut werden können samt Tiefgarage. Nur vermarkten ließ sich dieses teure Projekt nicht.
Jetzt liegt eine Alternative vor, die Bürgermeister König als „letzte Chance“ wertet. Die Villa soll an eine Interessengemeinschaft verkauft werden, die sich auf die Sanierung von Denkmalgebäuden spezialisiert hat. Sie will die Villa ohne große äußerliche Veränderungen sanieren und will die acht Wohnungen, sechs bestehen schon, vermieten. Finanziell scheint dies Projekt aufgrund der steuerlichen Anreize und eines ermäßigten Kaufpreises tragfähig zu sein. Allerdings verlangt der bisherige Eigentümer der Villa für den Preisnachlass einen gewissen Ausgleich von der Gemeinde. Zu den bereits zwei geplanten und genehmigten Häusern sollen in westliche Richtung zwei weitere gebaut werden können, insgesamt zehn Wohneinheiten. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplanes stellte der Gemeinderat in Aussicht, wenn die Sanierung und der Bau der ersten Häuser abgeschlossen sind. Auch bei den Stellplätzen schränkte das Gremium ein, dass nicht in den Hang hineingebaut werden dürfe. So segneten alle Fraktionen das neue Konzept grundsätzlich ab. „Wenn wir zustimmen, ist Schluss mit der Salamitaktik“, zeigte sich Christof Gebhardt (CDU) befriedigt darüber, dass die Gemeinde die Entwicklung beim dritten und vierten Haus in den Händen hält Denn „die große Sünde war schon die Bewilligung der ersten beiden Häuser“. „Ein Abriss wäre keine Alternative gewesen“, betonte Stephan Mohr (Gemeinschaft), der nun auf ein tragfähiges Konzept hofft, nachdem es „mehrere glanzvolle“ Sanierungspläne gab, „die allesamt Bach ab sind“.
Steck: „Jetzt wollen wir Taten sehen“ „Für uns ist wichtig, die Villa zu erhalten. Aber nicht zu jedem Preis“, erklärte Rudolf Steck (SPD), dass nach dem vielen Hin und Her jetzt eine Grenze erreicht sei. „Jetzt wollen wir Taten sehen.“ Das möchte auch Bürgermeister Rainer König, der aufgrund der auch durch Vandalismus geschädigten Villa Handlungsbedarf ausmachte. Eine gewisse Skepsis gegenüber den neuen Plänen verbarg das Gemeindeoberhaupt nicht, klar war aber auch für König: „Das ist jetzt die letzte Chance.“
Badische Zeitung vom 18.10.2004
Bereicherung für den Ort und beispiellose Leistung
Prominente Gäste bei der Eröffnung des Landfrauencafés in der Goldenen Krone / 24 500 Euro aus Stuttgart und Brüssel
ST. MÄRGEN. „Die Resonanz ist unglaublich“, freute sich Bürgermeister Josef Waldvogel am Freitagnachmittag bei der offiziellen Eröffnung des Landfrauencafés in der Goldenen Krone über die erfolgreichen fünf Wochen, die Beate Waldera-Kynast und ihr Team inzwischen gemeistert haben. Im September haben sie zu zwölft ihre Arbeit aufgenommen, inzwischen arbeiten 17 Frauen mit, Tendenz steigend. Zahlreiche Besucher, darunter viel Prominenz, überbrachten beim launigen Festakt ihre Glückwünsche. Waldvogel zeigte sich erleichtert, dass die Goldene Krone von Einheimischen und Gästen akzeptiert wird und das Café einen so guten Start hingelegt hat.
Seine „Skrupel in dem ein oder anderen Fall“ hätten sich erübrigt. Er bedankte sich beim Förderverein Lebendiges Dorf, der das Gebäude restauriert und so den Abriss des „Schandflecks“ verhindert hat: „Die Verantwortlichen haben gezeigt, dass sie etwas von der Sache verstehen.“ Besonders freute er sich über den Erfolg des „etwas anderen Cafés“. Es sei „eine große Bereicherung für den Ort und eine beispiellose Leistung“, lobte er. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum überbrachte Glückwünsche und richtete Grüße von Ministerpräsident Erwin Teufel und Landwirtschaftsminister Willi Stächele aus. Sie zeigte sich „überrascht, dass sich soviel Enthusiasmus entwickelt hat“ und fand angesichts des Ergebnisses, dass sich die Mühe für die Restaurierung der Goldenen Krone gelohnt hat.
Gurr-Hirsch sagte zu Waldvogel mit Blick auf die lange Zeit, in der das Gebäude leer stand: „Dass Sie die Nerven behalten haben, ist auch schon eine Leistung.“ Sprich, dass die Gemeinde nicht schnell das Grundstück veräußert und damit den Abriss eingeleitet hat.
„Man merkt's, dass Frauen ihren Geist leben.“ Die Staatssekretärin
Die Staatssekretärin betonte, wie wichtig es sei, den ländlichen Raum und dort besonders die Frauen zu fördern. Frauen leisteten auf dem Land den größten Teil der Entwicklung, denn während die Männer zur Arbeit pendeln, erhalten die Frauen die Landwirtschaft, verbinden Familie, Beruf und Ehrenamt und „ setzen wichtige Akzente“. Gurr-Hirsch: „Man merkt' s den Gemeinden an, dass Frauen ihren Geist leben.“ Weil die gut ausgebildeten Frauen andere Aufgaben und Einkommen benötigen als früher, sollen ihnen Förderprogramme unter die Arme greifen. So wurde das Landfrauencafé, für das knapp 100 000 Euro an Investitionen nötig waren, im Rahmen des baden-württembergischen Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum und des EU-Programms Innovative Maßnahmen für Frauen im Ländlichen Raum mit 24 500 Euro gefördert.
Beate Waldera-Kynast bestätigte: „Sich als Frau im ländlichen Raum zu profilieren ist nicht einfach.“ Umso dankbarer sei sie über die Förderung, ohne die sie ihre Idee nicht hätte verwirklichen können. Sie erläuterte das Konzept und betonte, dass die Frauen nicht ehrenamtlich, sondern für Geld arbeiten: „Wir sind ein Unternehmen.“
„Wir möchten, dass die Gäste mit uns zusammenleben.“ Beate Waldera-Kynast
Vom Erfolg war sie überrascht: „Wir mussten bald Verstärkung holen.“ Zeitweise durften die Ehemänner einspringen, wie sie dem schmunzelnden Publikum erzählte, aber sonst stellt sie nur Frauen ein. Über die Arbeitsatmosphäre sagte sie: „Das Team ist perfekt. Ich habe keine Worte, es funktioniert phantastisch. Wir leben in unserem Café und möchten, dass die Gäste das spüren und mit uns zusammenleben.“ Marianne Anselm, Vorsitzende des Landfrauenverbands Südbaden, lobte den „zukunftsweisenden Gemeinschaftsgeist“ des Teams sowie die Courage und den Weitblick der Cafébetreiberin. „Das Café symbolisiert vieles von dem, was den Landfrauenverband ausmacht.“ Etwa die Fähigkeit zu langfristigem Denken und kurzfristigem Handeln. „Das tut gut bei der momentan negativen Grundstimmung vieler Menschen.“ Auch sie wies auf die Leistungen der Frauen in der Region hin und nannte die Milchschlemmerwochen oder das Milchfest, die auf ehrenamtlicher Basis entstanden sind: „Frauen sind ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die Region.“ Mit Geschenken ihrer Mitarbeiterinnen, der Landfrauen und des Förderkreises bedacht, bat Waldera-Kynast die Besucher vom Krone-Saal ins Café hinüber an ein leckeres Landfrauenbuffet.
Badische Zeitung vom 16.11.2004
Ein Denkmal wird lebendig
Viel Prominenz bei der offiziellen Einweihung der Goldenen Krone in St Märgen
ST. MÄRGEN. „Ich hab noch in keinem Haus zwei Einweihungen gemacht", scherzte Pater Roman Brud bei der offiziellen Einweihung der Goldenen Krone. Bereits am 9. September hat er das Landfrauencafé gesegnet. „Aber falls der andere Segen nicht gültig gewesen wäre", segne er das Haus gern noch einmal. Diesmal war die Goldene Krone als Ganzes gemeint.
Der Förderkreis Lebendiges Dorf hatte neben Politikern, dem Landesdenkmalamt und weiteren Gästen alle Handwerker und Helfer eingeladen. Vor den Kulissen der „Schwarzwaldengländer" führte Rudi Kynast spritzig durchs Programm. Er gab zu, anfangs einer der größten Kritiker der Sanierung gewesen zu sein. Inzwischen gehört er selbst zum Förderkreis, der von neun auf elf Mitglieder gewachsen ist, und hat sogar eine Wohnung in der Krone bezogen: „Lieber auf dem Trittbrett dabei, als den Zug ganz verpasst." In Anspielung auf die illustren Gäste, die das ehemalige Grandhotel einst gesehen hat, scherzte Kynast: „Wer wird sich in 200 Jahren noch an Konrad Adenauer erinnern? An einen erinnern sich die Leute bestimmt Josef Saier." Er und seine Frau Claudia Faller-Saier sind, unterstützt von den übrigen Förderkreismitgliedern, die eigentlichen Initiatoren der Restaurierung.
Bürgermeister Josef Waldvogel dankte beiden für ihre Beharrlichkeit. „Sie haben immer daran geglaubt, dass es eine Möglichkeit gibt." Dann bat er die überraschten Saiers auf die Bühne und ließ sie im Goldenen Buch der Gemeinde unterschreiben. Die übrigen Förderkreismitglieder schenkten den beiden eine Reise in ein Jugendstilhotel in der Schweiz. Überhaupt wurde viel geschenkt und gedankt. Die Handwerker erhielten Gutscheine fürs Landfrauencafé und sowohl vom Förderkreis als auch von Baubetreuer Willi Sutter ein dickes Lob: „Ich habe selten so ein tolles Klima auf einer Baustelle erlebt. Auch die Bauherren legten phänomenal mit Hand an."
„Das Konzept verspricht eine interessante Entwicklung." Jochen Glaeser
Die Art, wie Auseinandersetzungen geführt worden seien, habe ihm gefallen. Sogar bei der kniffligen Frage nach der Farbgestaltung des Saals habe man sich geeinigt. Die Handwerker und sonstigen Helfer schenkten dem Förderkreis einen Flügel. Sutter selbst wurde von Kynast gelobt: „Er hat mit viel Umsicht, Kompetenz und Einfühlungsvermögen, aber wenn‘s sein musste, mit ganz harter Hand, die Geschicke gelenkt." Landrat Jochen Glaeser sagte, das Konzept von Wohnen und Arbeiten „verspricht eine interessante Entwicklung". Die Goldene Krone zeige zum einen, dass bürgerschaftliches Engagement viel bewirke, zum anderen, dass Denkmäler Identität stiften. „Sie dürfen nicht als Last und Belastung angesehen werden", betonte er, „sondern als Chancenbündel". Friedrich Jacobs vom Landesdenkmalamt hielt den Festvortrag über „Denkmalpädagogik und Denkmalkommunikation". Der Förderkreis berichtete, untermalt mit einer Diashow, von seinen Visionen, von der Geschichte der Krone und dem Bauzustand, in dem sie vorgefunden wurde, vom Umbau und den Wünschen für die Zukunft Sibylle Nocke sagte, der Förderkreis habe nicht nur dem Gedächtnisschwund entgegen wirken, sondern „dieses Denkmal auch verlebendigen" wollen. Es sei also nicht darauf angekommen, lediglich den Bau originalgetreu zu restaurieren und zum Museum zu machen, sondern ihn sinnvoll zu nutzen. Ulrike Claeys betonte, dass das Erdgeschoss für die Öffentlichkeit reserviert sei. Deshalb wünsche sich der Förderkreis im Saal rege kulturelle Nutzung durch Konzerte, Theater, Seminare oder auch private Feierlichkeiten. Wer dieses Konzept unterstützen möchte, kann die Patenschaft für eine Veranstaltung übernehmen. Als erste Patin meldete sich ein Überraschungsgast: Rosemarie Luyken. Die Tochter des Lehrers Julius Fechtig ist in der Krone aufgewachsen. Sie überreichte Saiers ein Gedicht ihres Vaters und bat den Förderkreis, in einem Gästebuch zu unterschreiben, das ihr Vater einst der Krone gestiftet hat.