Pressespiegel
Domiziel in der Presse
Domiziel Pressearchiv 2003
Badische Zeitung vom 16.01.2003Im Juni wird das jüdische Gemeindehaus eröffnet
Die Renovierungsarbeiten schreiten zügig voran / Denkmalstiftung gewährt weiteren Zuschuss / Empfang des Fördervereins
BREISACH (cf). Im Rahmen des Neujahrsempfangs des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach konnten die Gäste in der Spitalkirche ein großartiges Konzert der Pianistin Elza Kolodin erleben. Dabei trug die in Freiburg tätige Musikprofessorin, die in Warschau und Paris studiert hat, neben der Fantasie op. 17 von Robert Schumann auch zwei Balladen von Frederic Chopin vor.
Zuvor hatte die Vorsitzende des Fördervereins, Christiane Walesch-Schneller, die in- und ausländischen Gäste begrüßt, darunter zahlreiche Vertreter der jüdischen Gemeinden Colmar, Séléstat, Mulhouse, Basel und Zürich sowie viele Mitglieder, Sponsoren und Freunde des Vereins. Besonders begrüßte die Vorsitzende unter anderem Ilse Wyler-Weil, eine Überlebende der jüdischen Gemeinde Breisachs, und Leopold Marx, der dank seiner genauen familiären Kenntnisse der Gemeinde dem Förderverein bei seinen Forschungen hilft.
Walesch-Schneller wies die Anwesenden darauf hin, dass im Juni die Restauration des Jüdischen Gemeindehauses vollendet und das Gebäude im Rahmen der Jüdischen Woche vom 19. bis 26. Juni offiziell eröffnet werden soll. Sie bedankte sich bei allen, die das Projekt auf so vielfältige Weise unterstützt haben, besonders bei der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die dem Verein neben 50 000 Euro für die Restaurierung des Gemeindehauses in Anerkennung des besonderen Engagements zusätzlich noch einmal 15 000 Euro zukommen lässt. Dem Verein ist erlaubt, mit diesem Betrag einen Teil des Darlehens zu tilgen, das für den Grunderwerb aufgenommen werden musste.
Auch ließ Walesch-Schneller das vergangene Jahr, das sie als ein Jahr des Ideenreichtums und der wachsenden Kreativität bezeichnete, noch einmal Revue passieren. So wurde am 8. Januar 2002 mit den Arbeiten am Gemeindehaus begonnen. Die Außenfassade wurde blau gestrichen und das Dach mit über 200 Jahren alten Ziegeln neu gedeckt, wobei unter anderem Konfirmanden sowie drei 10. Klassen der Hugo-Höfler-Realschule die rund 16 000 Ziegel zunächst säuberten. Im April konnte der Vortragsraum eröffnet werden, in dem seither bereits zahlreiche Veranstaltungen stattfanden. Besonders dankte Walesch-Schneller Willi Sutter und Ralf Hojenski von Domiziel, einer Firma in Titisee-Neustadt, die Arbeits- und Wohnungslose zurück in die Arbeitswelt führt und in deren Hände fast die gesamten Renovierungsarbeiten am Jüdischen Gemeindehaus liegen. Zwei Räume im ersten Stockwerk konnten laut Walesch-Schneller von den Mitgliedern und Freunden des Fördervereins selbst restauriert werden. Auch berichtete Walesch-Schneller vom 3. Europäischen Tag der Jüdischen Kultur im Juni, bei dem mit einer Ausstellung der Bilder von Raya Kruk aus Litauen eine Brücke nach Osteuropa und mit einer Führung auf jüdischen Spuren in Biesheim eine Brücke nach Frankreich geschlagen werden konnte. Des Weiteren erinnerte die Vorsitzende an das von der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste veranstaltete Sommerlager, bei dem 14 junge Menschen unter anderem aus Moskau, Minsk und Warschau für zwei Wochen nach Breisach kamen, um die Restaurierung des Jüdischen Gemeindehauses tatkräftig zu unterstützen. Auch in diesem Jahr sei, so Walesch-Schneller, für Ende August/Anfang September ein weiteres Sommerlager geplant
Badische Zeitung vom 08.02.2003
von Monika RombachDie „Goldene Krone“ beherbergte einst Wallfahrer
Ihre Entstehung verdankt die einstmalige Pilger-Gaststätte Abt Peter Glunk/ Einst Köstlichkeiten aus der Kronenküche
ST. MÄRGEN. Ihre Entstehung verdankt die „Goldene Krone“ Abt Peter Glunk, der sich 1757 entschloss, zur Verpflegung und Versorgung der zahlreichen Wallfahrer St. Märgens ein zweistöckiges „Neues Haus“ mit Walmdach und Kreuzgewölbe-Keller zu bauen (im Gegensatz zum bestehenden „Alten Haus“, dem heutigen Hotel „Hirschen“). Eine kleine Landwirtschaft gehörte dazu, deren Räumlichkeiten später als florierende Pilger-Gaststätte genutzt wurden. Auch ein gut gehender Krämerladen, ein schwunghafter Devotionalienhandel und „Beständer“, also Menschen, die beständig beim Kloster arbeiteten und sich Verdienste darum erworben hatten, auf diese Weise zog 1771 der Klosterbildhauer Matthias Faller nach St. Märgen.
Den Tourismusbeginn kennzeichnet das Jahr 1860, als bereits höhere Herrschaften zur Erholung in St. Märgen verweilten, Seine Exzellenz Graf Kageneck von Munzingen, Freiherr von Böcklin und Freiherr von Gleichenstein.
Vorbei an stapelweise nach Material oder Verwendungszweck sortiertem Brauchbarem und Unbrauchbarem führt der Erkundungsweg durch das Innere des 1902 um eine Etage aufgestockten, wesentlich erweiterten und mit pompöser Fassade und verspieltem Zier-Fachwerk versehenen Gebäudes. Hier traf sich einst die Hautevolee, „St. Märgen mit seiner Goldenen Krone wurde zum Reiseziel für Gäste aus ganz Europa“, schwärmt Uli Nocke vergangener Pracht nach. Ein kleines Stück Rosentapete kündet davon, der zerrissene Rosenvorhang eines der 60 Gästezimmer mit damals modernstem Etagenbad dank gemeindlichen Wasserleitungsbaus. Selbst angesichts des gläsernen Nachttöpfchens kommt man ins Spekulieren, wen es dereinst wohl erleichterte?
Berühmtheit erlangte der riesige Herd der Kronenküche mitsamt den Köstlichkeiten, die man darauf zuzubereiten verstand. Eine alte Karte verrät noch die Speisenfolge zur Einweihung des eleganten Jugendstilsaales am 7. Januar 1922: Kraftbrühe mit Rindermark, gefüllte Blätterteigpastete, gespickter Hasenbraten-Makkaroni-Kartoffelbrei und als süße Krönung Spanische Windtorte mit Schlagsahne.
Am gemütlichen Kachelofen des prachtvollen Lesezimmers fanden sich Künstler und Gelehrte zusammen, Karl Hauptmann, Hermann Dischler, Gustav Traub, Karl Biese, Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der Ofen ist noch da, die Gediegenheit eher nicht. Sommers luden Biergarten und Gartencafé zum geselligen Verweilen. Aus architektonischer Sicht das verbindende Element des Gesamtensembles von Klosterkomplex, Friedhof und Hotel. Winters frönten die Gäste dem Winterurlaub und der Winterkur in gediegenem Ambiente.
Der Niedergang des ersten Hauses am Platz vollzog sich seit den Sechzigern; mangelnde Investitionen zerstörten des Charakter des Hauses, beraubten es seiner Behaglichkeit und vertrieben die letzten Gäste.
Badische Zeitung vom 27.02.2003Neue Hoffnung für die Villa Köchlin
Gemeinderat genehmigt Sanierungs- und Umbaukonzept / Eigentümer plant Neubau von zwei Wohnhäusern und Tiefgarage
STEINEN (jt). „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Steinens Bürgermeister Rainer König sichtlich erleichtert, als ein Bauantrag der Firma Mark's Immobilien Sursee AG auf Sanierung und Umbau der „Villa Köchlin“ und die Erstellung von zwei Wohnhäusern mit Tiefgarage einstimmig den Gemeinderat passiert hatte.
Die Hoffnung, dass die markante weiße Fabrikantenvilla im Osten der Gemarkung erhalten und einer Nutzung zugeführt werden kann, war in den vergangenen Jahren mehr und mehr geschwunden. Nach langjährigem Bemühen, einen Käufer für das denkmalgeschützte Objekt zu finden, hat nun die Eigentümerin selbst, nämlich das Unternehmen Mark' s Immobilien, einen in Denkmalfragen versierten Architekten mit der Erstellung einer neuen Planung beauftragt
Das Freiburger „Büro für Bauforschung und Denkmalpflege“ legte jetzt ein mit dem Denkmalamt abgestimmtes Sanierungskonzept auf den Tisch, das mit wirtschaftlichen Interessen des Investors zu vereinbaren ist. Architekt Frank Blum und seine Mitarbeiterin Gabi Sutter stellten die Planung im Gemeinderat vor und ernteten auch dafür Beifall.
Durch den Abbruch des noch bestehenden Gärtnerhauses und die Errichtung von zwei gleichen Wohnhäusern rechts und links von der Villa wird das frühere Dreierensemble mit Gärtner- und Kutscherhaus und Villa nachempfunden. Der viel gelobte Clou der Planung ist eine Tiefgarage für das gesamte Ensemble mit 20 Stellplätzen unter dem westlichen Wohnhaus, die einen autofreien Hofraum hinter der Villa ermöglicht. Sutter betonte, dass bei der Gestaltung der beiden zweigeschossigen Wohnhäuser bewusst darauf geachtet wurde, dass sie sich optisch der Villa unterordnen. Ihre Firsthöhen liegen deshalb niedriger als deren Traufhöhe. Das äußere Erscheinungsbild der Villa bleibt weitgehend unverändert. Auch die verglasten Wintergärten mit Jugendstilelementen an der Nordseite sollen erhalten und restauriert werden, sagte Frank Blum. Durch das Einfügen von Wiederkehrgauben wird allerdings aus ökonomischen Gründen der Dachausbau ermöglicht. Zwei Dachwohnungen werden sich intern jeweils über zwei Stockwerke erstrecken. Sie werden, wie alle anderen Wohnungen auch über das schöne bestehende Treppenhaus erschlossen. Auch die anderen Wohnungen würden in ihrer Aufteilung überwiegend so wie sie sind erhalten bleiben.
Repräsentative Wohnung im Erdgeschoss
Im Erdgeschoss möchte der Investor eine repräsentative Wohnung über die gesamte Fläche von 190 Quadratmetern anbieten. Sie lasse sich aber bei Nichtvermarktung auch teilen. Es liefen bereits Zuschussanträge für die Sanierung der Villa, so Blum und es bestünde berechtigte Hoffnung, dass diese genehmigt werden. Das Denkmalamt werde daher ein Auge auf die Bauarbeiten an der Villa haben. Die Dachgauben etwa würden ganz sicher den Proportionen des Gebäudes angepasst. Befürchtungen aus den Reihen des Gemeinderates, dass nach Abbruch des Gärtnerhauses möglicherweise nur die beiden neuen Wohnhäuser errichtet werden, während man auf den Zusammenbruch der Villa warte, trat Blum entgegen.
Der Bauherr sei mit einer Voruntersuchung zur Bausubstanz der Villa bereits finanziell in Vorleistung getreten. Auch brandschutztechnische Untersuchungen seien zusammen mit Feuerwehrkommandant Hildolf Schwald erfolgt und Lösungen gefunden worden, sagte der Architekt. Der zweite Rettungsweg erfolge über Dachstufen an der Nordseite, wo die große Drehleiter der Wehr dank der Fahrzeugfreiheit anfahren könne. Bauamtsleiter Dietmar Thurn sah keine gravierenden baurechtlichen Probleme bei der Planung. Der Abbruch des Gärtnerhauses sei bereits bei dem Bauantrag, der vor fast zwei Jahren für das Objekt gestellt wurde, genehmigt worden. Das heutige Konzept sei besser als die damalige Planung, waren sich Bürgermeister und Bauamtsleiter einig. Insgesamt sollen 13 relativ große Wohnungen ab 84 Quadratmetern auf dem Gelände entstehen. Das bedeutet nach der Stellplatzverordnung der Gemeinde 26 Stellplätze. Die Planer sagten zu, dass die fehlenden sechs Plätze noch oberirdisch auf der Tiefgarage angeordnet werden könnten. Von der Tiefgarage wird es im Übrigen einen direkten Zugang zum Keller der Villa geben, wo auch Abstellplätze für die Mieter des westlichen Wohnhauses vorgesehen sind. Aus den Reihen des Gemeinderates wurde angeregt, dass möglichst auch vom zweiten Wohnhaus ein Durchgang zur Tiefgarage geschaffen werden sollte, weil sonst die Gefahr bestehe, dass eben doch im Hofraum geparkt werde
Badische Zeitung vom 08.04.2003Gibt es bald eine jüdische Gemeinde?
Rivka Hollaender stellte in Breisach ihre Idee vor / Das ehemalige jüdische Gemeindehaus wird im Juni wieder eröffnet
BREISACH. Das ehemalige jüdische Gemeindehaus wird nach seiner Sanierung im Rahmen einer „Jüdischen Woche“ Ende Juni offiziell eröffnet werden. Dies wurde auf der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach bekannt Rivka Hollaender, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Freiburg, regte bei dem Treffen an, in Breisach eine aktive Jüdische Gemeinde ins Leben zu rufen.
Die Mitglieder des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach konnten auf ein äußerst ereignisreiches Jahr zurückblicken. Im Januar 2002 war mit der Restaurierung des ehemaligen Gemeindehauses begonnen worden und im April konnte im Erdgeschoss bereits der Vortragsraum eingeweiht werden, wie die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller berichtete. Insgesamt 416 Stunden Arbeit als Eigenleistung seien im vergangenen Jahr von Mitgliedern, Freunden, den Klassen 10a, 1 0d und 1 0e der Hugo-Höfler-Realschule mit ihrem Lehrer Reiner Zimmermann sowie von einer Konfirmandengruppe mit Pfarrer Peter Hanselmann erbracht worden.
Auch rief die Vorsitzende den Anwesenden unter anderem das Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste ins Gedächtnis, bei dem junge Menschen aus sieben verschiedenen Nationen die Restauration des Jüdischen Gemeindehauses tatkräftig unterstützt hatten. Walesch-Schneller berichtete davon, wie sie erst kürzlich gemeinsam mit Rosita Dienst-Demuth, ebenfalls Mitglied des Fördervereins, in der Stephen-Wise-Synagoge in New York vor 180 Menschen, darunter auch Nachkommen der Breisacher Juden, über die Arbeit im Breisacher Gemeindehaus gesprochen hatte.
Auch über den aktuellen Stand der Dinge informierte Walesch-Schneller. Da die Bauarbeiten am ehemaligen Jüdischen Gemeindehaus voraussichtlich Ende Mai abgeschlossen sein werden, soll von Donnerstag, 19. Juni, bis Donnerstag, 26. Juni, eine „Jüdische Woche“ veranstaltet werden, in deren Rahmen am Freitag, 20. Juni, die offizielle Einweihung des Gemeindehauses stattfinden soll.
Walesch-Schneller äußerte unter anderem den Wunsch nach einer aktiveren Unterstützung durch die Stadt Breisach, die Mitglied des Fördervereins ist. Lothar Menges, der der Versammlung als offizieller Vertreter der Stadt beiwohnte, versicherte, dass die Stadt auch weiterhin den Verein, wie auch bisher schon geschehen, unterstützen werde. Schatzmeister Markus Eschbach konnte von einem positiven Kassenergebnis berichten. Besonders erfreulich sei der Betrag von 31 000 Euro, den der Verein in Form von Spenden, Beiträgen und nicht die Bauarbeiten betreffende Zuschüsse erhalten habe. Walesch-Schneller informierte darüber, dass sich die Gesamtsumme der Zuschüsse, einschließlich eines zinslosen Darlehens der Stadt Breisach in Höhe von 20 451 Euro, auf 225 117 Euro belaufen haben. Rivka Hollaender, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Freiburg, die jedoch als Privatperson an der Versammlung teilnahm, sprach über ihre Idee, in Breisach eine aktive Jüdische Gemeinde ins Leben zu rufen. Sie bat den Förderverein, jüdische Flüchtlinge, die sich in Breisach niederlassen wollen, zu unterstützen. So könne man beispielsweise das Gemeindehaus für jüdische Gottesdienste zur Verfügung stellen. Hollaenders Idee, für die sie auch in der „Liga“, einem Gremium der Wohlfahrtsverbände, wirbt, wurde von den Vereinsmitgliedern grundsätzlich positiv aufgenommen. Die Mitglieder waren sich einig darüber, dass es nicht Aufgabe des Vereins sei, eine jüdische Gemeinde zu gründen, sie äußerten jedoch ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Eine endgültige Konzeption für die künftige Nutzung des ehemaligen Jüdischen Gemeindehauses werde, so Walesch-Schneller, erst im Laufe der nächsten Jahre entwickelt werden können.
Badische Zeitung vom 18.06.2003„Jetzt geht es richtig los“
BZ-INTERVIEW mit Christiane Walesch-Schneller über das „Blaue Haus“ und die jüdische Woche
BREISACH. Am Freitag, 20. Juni, wird das restaurierte „Blaue Haus“, das ehemalige jüdische Gemeindehaus, in der Rheintorstraße eingeweiht. Aus diesem Anlass findet ab morgen, Donnerstag, 19. Juni, bis Donnerstag, 26. Juni, eine „jüdische Woche“ statt. Sylvia Pabst unterhielt sich darüber mit Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende des „Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach“.
BZ: Was bedeutet für Sie persönlich die Einweihung des „Blauen Hauses“?
Christiane Walesch-Schneller: Jetzt sind sozusagen die Vorarbeiten, die erste Etappe, abgeschlossen. Die eigentliche Arbeit geht jetzt los, wir stehen also nicht vor einem Abschluss, sondern vor einem Anfang, etwa der Einrichtung eines Archivs und einer Bibliothek.
BZ: Wie kam es zur Idee, das Gebäude „Blaues Haus“ zu nennen?
Walesch-Schneller: Der Name leitet sich von der Fassadenfarbe ab. Wir haben eine Farbe gesucht, die sich einerseits in das Gesamtensemble in der Rheintorstraße einfügt, sich aber andererseits auch abhebt.
BZ: Wie könnte die Nutzung künftig aussehen?
Walesch-Schneller: Das Haus soll Ort des Gedenkens und der Begegnung sein. Wichtig ist auch die Forschung. Wir möchten, dass über jeden der 250 Bürger, die in der jüdischen Gemeinschaft von Breisach gelebt haben, Informationen gefunden und veröffentlicht werden können. Auch wird die Arbeit von Günter Boll über die Geschichte des Landjudentums weitergehen. Bei der Einrichtung des Hauses wird auch ein Langzeitfreiwilliger der Aktion Sühnezeichen eingebunden. Unsere Arbeit wird auch von vielen Nichtjuden, auch aus den USA, als Modell gesehen, wie man mit traumatischen Ereignissen umgehen kann.
BZ: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Haus?
Walesch-Schneller: Ich hoffe, dass die gemeinsame Forschungsarbeit der Familien und die Forschung in den Familien positiv verbunden werden können und wünsche mir, dass Impulse in die Breisacher Familien getragen werden.
BZ: Mit wie vielen Gästen rechnen Sie bei der „jüdischen Woche“?
Walesch-Schneller: Es haben sich 45 Gäste aus Übersee angemeldet, die auf eigene Kosten anreisen werden, darunter zwei Familien. Bei der Einweihung des „Blauen Hauses“ erwarten wir mehr als 100 Gäste, auch aus Frankreich, der Schweiz und der ganzen Region.
BZ: Hat sich die Resonanz aus der Breisacher Bevölkerung zwischen Kauf des Hauses, dem Plan, es zu restaurieren und seiner Fertigstellung verändert?
Walesch-Schneller: Es gibt eine positive Resonanz bei und auf die Restaurierung. Die Zusammenarbeit mit den Breisacher Handwerkerfirmen war sehr erfreulich. Viele Menschen sind dem Haus mit der Zeit näher gekommen. Das hilft. Auch Schulklassen haben sich dafür interessiert. Vorsichtig bewegt sich etwas in eine positive Richtung.
BZ: Ist geplant, „jüdische Wochen „ künftig regelmäßig zu veranstalten?
Walesch-Schneller: Eine solche Überlegung wurde schon bei der „Woche der Begegnung“ im Oktober 2000 geäußert Diese Idee soll nun während der „jüdischen Woche“ diskutiert werden. Die Gäste sollen ihre Wünsche, Hoffnungen und Vorschläge äußern. Ziel ist, eine entsprechende Konzeption zu erarbeiten, bei der uns auch die Landeszentrale für politische Bildung planend zur Seite steht Von unserer Seite aus möchten wir solche Veranstaltungen gerne fortsetzen.
Badische Zeitung vom 22.08.2003Funde aus dem Mittelalter
Zweites Sommerlager der Aktion Sühnezeichen / Ausgrabungen im „Blauen Haus“
BREISACH (ag/apt). Drei Tage lang haben Schülerinnen und Schüler der Lessing-Realschule Freiburg im mittelalterlichen Keller des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses in Breisach gegraben und dabei einige interessante archäologische Funde zutage gefördert. Ab Montag werden nun zwei Wochen lang 15 Teilnehmer des zweiten Sommerlagers der Aktion „Sühnezeichen Friedensdienste“ in Breisach die Grabungen fortsetzen.
Nachdem vor einem Jahr bei einer Probegrabung eine alte Türschwelle gefunden wurde, soll der zwölf Meter lange und sechs Meter breite Keller nun um 30 Zentimeter abgetragen werden. Das Landesdenkmalamt Stuttgart kann jedoch aus finanziellen Gründen nicht selbst graben. Die Freiburger Schüler Alexander Rogg, Vitali Schilow, Raphael Henning, Alexander Burggraf, Kai Hauser, Lina Küchlin und Tatjana Neumann hatten sich deshalb gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Rosita Dienst-Deruth bereit erklärt, im Rahmen der diesjährigen Projekttage freiwillig mit der Arbeit zu beginnen.
„Für uns ist es eine große Ehre, hier zu graben, da wir einen sehr engen Kontakt zu Ralf Eisemann, Sohn des letzten Rabbiners hier in Breisach, haben“, erklärte Rosita Dienst-Deruth. Eisemann war Schüler in der Lessing-Schule gewesen, nachdem jüdische Schüler in Breisach nicht mehr in die Schule gehen durften.
Während den anstrengenden archäologischen Arbeiten mit Taschenlampe, Schaufel, Pickel, Eimer und Sieb stießen die Schülerinnen und Schüler auf sehr interessante Gegenstände: Scherben von altem Geschirr, alten Vasen und Kacheln. Besonders stolz sind die jungen Archäologen auf zwei Stücke eines Dreifußes. Vermutlich hat Wasser des mittelalterlichen Stadtgrabens den Keller damals überflutet, glauben die Schüler. Alle Funde sollen später im Garten des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses ausgestellt werden. Doch die Grabungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Studenten aus Osteuropa und Deutschland, die sich an der Aktion „Sühnezeichen Friedensdienste“ beteiligen, werden jetzt die Arbeiten im Keller fortsetzen. Die Teilnehmer des Sommerlagers stammen aus Perm und Moskau (Russland), aus Kiew, Charkow und Charkiv (Ukraine), aus Minsk und Mogilew (Weißrussland) und aus Wroclav und Krakow (Polen). Die deutschen Teilnehmer kommen aus Dresden, Langen und Berlin, die beiden Leiter aus Halle und Paris. Untergebracht werden die Helfer in Breisach im Gemeindehaus der Martin-Bucer-Gemeinde. Stadtarchivar Uwe Fahrer und die Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach, Christiane Walesch-Schneller, sind bereits sehr gespannt auf die Ergebnisse der Grabung.
Die Freiwilligen werden zudem an zwei Tagen helfen, den jahrhundertealten Begräbnisplatz der Breisacher Juden in Mackenheim (Elsass) zu pflegen. In Zusammenarbeit von Freunden des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus und der Gemeinde Mackenheim wurde bereits das vom Einsturz bedrohte Einsegnungshäuschen mit neuen Fundamenten und einem neuen Dachstuhl versehen. Der wertvollste, älteste Teil des Friedhofs wird vor allem im Sommer von Unkraut überwuchert, die fehlende Grasnarbe gefährdet die wertvollen Grabsteine. Beim Förderverein und der Gemeinde Mackenheim freut man sich daher über die Unterstützung durch die Studenten.
Badische Zeitung vom 13.12.2003Die Krone leuchtet wieder golden
Zehn St. Märgener und Freiburger renovieren die „Goldene Krone“ / Das Dach und die Fassade sind bereits fertig gestellt
ST. MÄRGEN. „Nur noch wenige können sich daran erinnern, wie prunkvoll die 'Goldene Krone' früher war“, bedauert Ulrich Nocke vom Förderkreis lebendiges Dorf. Er und neun weitere Mitglieder renovieren das ehemalige Klostergasthaus und spätere Kurhotel, das lange leer gestanden ist Dach und Fassade sind nun fertig, der Innenausbau ist in vollem Gange.
Noch sieht es in dem Haus, das 1757/58 für Pilger erbaut worden ist, sehr nach Baustelle und Chaos aus. Aber wer genauer hinschaut, ahnt, wie viel schon an Arbeit geleistet worden ist Mindestens 1000 Stunden hat die Initiative bereits selber geleistet. Jeden Samstag ist Arbeitseinsatz, oft auch an Wochentagen. Anfangs habe niemand im Ort daran geglaubt, dass sie die „Krone“ retten könnten, erinnert sich Nocke. „Viele haben gesagt, sie ist total baufällig und man kann gar nichts mehr machen.“ Inzwischen sei die Stimmung aber „total umgeschlagen“, freut er sich. Leute kochen samstags für sie, bringen Kuchen, spenden kleinere oder größere Geldbeträge und übernehmen sogar manche handwerklichen Tätigkeiten, wie etwa das Vergolden der Krone, die auf dem Dach des Vorbaus angebracht ist. Im Gebäude gibt es viel zu entdecken: grüne Kachelöfen, schön geformte Waschbecken, Jugendstil-Tapeten und -verkleidungen, uralte dicke Balken, Mauerwerk aus verschiedenen Epochen, ein gut erhaltenes Jugendstil-Mosaik auf dem Boden des Eingangsbereiches, strahlend weiße Stuckdecken, lange Zimmerfluchten aus der Barockzeit, Zeitungen an den Wänden, etwa eine Ausgabe des „Freiburger Pfennigblatts“ von 1887 - Geschichte pur. Über der zweiten Etage ist noch die Dachkonstruktion der Klosterherberge zu sehen, die die „Goldene Krone“ einmal war. Damals hatte das Haus nur ein Obergeschoss. 1902, als es um eine Etage aufgestockt wurde, hat Bauherr Adolf Rombach das Holz wieder verwendet. Im Keller befinden sich dicke Sandsteinmauern, deren Steine nummeriert sind und womöglich von einem kirchlichen Vorgängerbau stammen.
Noch gibt es aber auch Spuren der Bausünden aus den 50er-Jahren und des Verfalls: Hässliche Glasbausteine, abgeblätterte Farbe, zerstörte Tapeten. „Das Haus war total kaputt saniert“, erinnert sich Nocke. Als die zehnköpfige Gruppe mit dem Umbau angefangen habe, hätten 30 Katzen darin gewohnt, Müll sei herum gelegen und die Räume seien seit Jahren nicht mehr gelüftet gewesen. Das komplette Hotelinventar sei noch drin gewesen, erinnert sich Nocke: „Die Betten waren quasi noch halb bezogen.“ Viele Schätze seien leider auch verschwunden.
„Das Haus war total kaputt saniert.“ Ulrich Nocke Wie man das Haus am besten umbauen könnte, haben die zehn Denkmalschützer mit einer Architektin, einem Statiker, dem Denkmalamt und Bauaufseher Willy Sutter von „Domiziel“ gründlich analysiert. Das Ergebnis: Die Struktur des alten Gebäudes bleibt zu 90 Prozent erhalten. „Wir wollen es nicht nach klassischem Bauherrenmodell voll stopfen bis obenhin“, so Nocke. Nur einige im Lauf der Zeit erstellte Wände werden herausgenommen und im Westteil hat die Gruppe einen Flachbau und eine Garage aus den 50er-Jahren abgerissen. „Wir wollen den Geist des Hauses bewahren“, beschreibt Nocke einen Grundgedanken der Initiative. Der Umbau soll dem historischen Gebäude gerecht werden, deshalb werden heimische Baumaterialien wie Holz und Stein verwendet. Ziel ist eine gemischte Nutzung mit generationenübergreifendem Wohnen und musischem, kunsthandwerklichem und ökologischem Arbeiten. Neun Wohnungen zwischen 45 und 120 Quadratmetern, alle mit Balkon, sowie mehrere Ateliers können gemietet werden. Ein Aufzug soll auch älteren und behinderten Menschen ermöglichen, hier zu leben. Der ehemalige Gastronomiebereich samt Jugendstilsaal soll wieder hergestellt und gewerblich oder anderweitig öffentlich genutzt werden. „Dass man das Haus nicht mehr als Hotel nutzen kann, war klar“, erzählt Nocke. „Aber es stand in unserer Gruppe nie zur Diskussion, es abzureißen.“ Vielmehr wollten die zehn St. Märgener und Freiburger dafür sorgen, dass das denkmalgeschützte Gebäude saniert und dauerhaft „vor Spekulationen geschützt“ wird. Deshalb haben sie erfolgreich die Aufnahme ins Denkmalbuch beantragt. Sie sind der Meinung: „Man verliert die Identität, wenn man die alten Gebäude abreißt.“ Viele Leute schätzten es, in alten Gemäuern zu leben, weiß Nocke. Interessenten für die Nutzung gebe es bereits, „aber es ist noch nichts spruchreif“. Weitere Anfragen sind sehr erwünscht. „Es soll was sein, was ins Konzept passt“, formuliert Nocke die Bedingungen. Den Bewohnern und Nutzern der „Krone“ möchten er und seine Mitstreiter günstige Mieten anbieten. „Wir hoffen, dass sich das trägt.“ Denn die Sanierungskosten seien hoch. „Aber alles, was wir selber machen können, machen wir selber. Und man muss ja nicht alles sofort machen“, ist sich die Gruppe einig. Er gibt zu, dass sie es anfangs „ein bisschen mit der Angst zu tun“ bekommen habe. Aber mit einem Kredit der GLS Gemeinschaftsbank, die alternative, soziale und ökologische Projekte unterstützt, und einem Zuschuss von der Landesdenkmalstiftung konnte das Vorhaben dann doch realisiert werden.