Pressespiegel
Domiziel in der Presse
Domiziel Pressearchiv 2006
Badische Zeitung vom Freitag, 29. Dezember 2006
Ein Gasthaus wird zum Domizil
Die Domiziel GmbH hat in Ebnet den „Hirschen“ für 1,3 Millionen Euro zu einem besonderen Wohnprojekt umgebaut
Von unserer Mitarbeiterin Silvia Faller
EBNET. Ein Stall als Herberge. Vor mehr als 2000 Jahren fanden Maria , Josef und das Christuskind hier Zuflucht, empfanden Geborgenheit und Harmonie. Willi Sutter, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Domiziel GmbH mit Sitz in Titisee-Neustadt, hat zusammen mit vier anderen Investoren das frühere Gasthaus „Zum Hirschen" in Ebnet in eine moderne Zuflucht verwandelt. Heute leben in dem denkmalgeschützten Gebäude auf 800 Quadratmetern in Mietwohnungen rund zwei Dutzend Menschen: an Demenz erkrankte Menschen und Pflegekräfte, Studierende, eine Familie sowie Frauen und Männer, die einige Jahre lang wohnungslos waren.
Gerdi Garcia (42) hat zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Vor drei Jahren flüchtete die Frau vor ihrem Mann, nachdem der sie fast erschlagen hätte. Geborgenheit haben sie und ihre beiden Kinder in einer Wohngemeinschaft in Ebnet gefunden. Erheblich trägt dazu Andrea Horack (46) bei. Bei ihr kann sich Gerdi Garcia aussprechen und von ihr lässt sie sich ermutigen. Andrea Horack macht es im Gegenzug genauso. Und für die Kinder ist die 46-Jährige längst zu einer Vertrauten geworden, einer Patentante oder Oma ähnlich. Auch Andrea Horack hatte bislang kein einfaches Leben. Geprägt war es viele Jahre lang von einer schweren Suchtkrankheit. Bei ihrem zweiten Aufenthalt in der Schallstadter Rehabilitationsklinik „Lindenhof“ der Arbeitsgemeinschaft für Gefährdetenhilfe und Jugendschutz in der Erzdiözese Freiburg kam sie zu einer für sie wichtigen Erkenntnis: Ihren bisherigen Wohnort und alte Beziehungen musste sie aufgeben, um nicht in die Sucht zurück zu fallen. Ebenso wie Gerdi Garcia nach ihrer Flucht stand Horack nach ihrer Entlassung aus der Klinik allerdings vor dem Nichts. Gerdi Garcia und ihre Kinder hatten immerhin Unterschlupf in der Wagenburg im Eselswinkel gefunden.
In diesem Jahr haben die beiden Frauen zum zweiten Mal in Ebnet Weihnachten miteinander gefeiert. Im April 2004 bezogen sie Wohnungen, die von der Domiziel GmbH aus Titisee-Neustadt im ehemaligen Gasthaus „Zum Hirschen“ eingerichtet wurden und zwar im Blick auf Menschen, die auf dem freien Markt nur schwer zu einer Wohnung kommen. Die Beratungsstelle FreiRaum– Hilfen für Frauen in Wohnungsnot – der Diakonie Freiburg hatte Gerdi Garcia und Andrea Horack den Kontakt vermittelt. Erworben hatte das denkmalgeschützte Anwesen, das Ebnets Ortsmitte prägt, Domiziel-Geschäftsführer Willi Sutter zusammen mit vier anderen Investoren. Zu ihnen zählen Bauhandwerker ebensowie Sozialarbeiter, Architekten und Ingenieure. Die Mitarbeiter der Domiziel GmbH – sie alle sind ehemalige Wohnungslose –haben die praktischen Arbeiten erledigt.
Die Gesellschaft investiert im Gebiet zwischen Lörrach, Titisee-Neustadt und Emmendingen in solche Projekte, in Ebnet waren es 1,3 Millionen Euro. In den acht Jahren seit ihrer Gründung hat das Unternehmen auf diese Weise schon 60 Wohnungen eingerichtet. Das eingesetzte Kapital verzinst sich wie bei anderen Wohnungen über die Mieteinahmen. Zinsverbilligte Darlehen des Landes sorgen für relativ niedrige Mieten von rund fünf Euro pro Quadratmeter.
In Ebnet sind Wohnungen mit einer Fläche von insgesamt 800 Quadratmetern entstanden. Mieter sind an Demenz erkrankte Menschen, die begleitet von Pflegerinnen eine Wohngemeinschaft bilden. Studierende, eine Familie sowie ehemalige Wohnungslose, sind weitere Mieter. Eine weitere Wohnung im Granatgässle hat die Domiziel GmbH ebenfalls an ehemalige Wohnungslose vermietet. „Wir machen nur gute Erfahrungen. Der Schlüssel für den Erfolg ist, dass die Menschen eingebettet in Beziehungen leben können“, sagt Willi Sutter.
Gerdi Garcia spricht von „Rettung“ für sich und ihre Kinder. Als Wohnungslose hätte sie die beiden nicht bei sich behalten können und in irgendeinem Hochhaus untergebracht, wäre sie in ihrem seelischen Elend versackt. „Es ist das Miteinander, das die Wende gebracht hat“, sagt Andrea Horack. Auch für sie.

- Willi Sutter, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Domiziel GmbH mit Sitz in Titisee-Neustadt, vor dem früheren Gasthaus „Zum Hirschen"
Badische Zeitung vom Freitag, 29. Dezember 2006
Erste Nacht in der Birkenhofscheune
Am Mittwoch zogen Gabriele Fehrenbach und Keith Bunyan als erste Bewohner in den Neubau unter dem alten Walmdach ein
Von unserem Redakteur Karlheinz Scherfling
KIRCHZARTEN. Mitten zwischen Kisten und Möbelteilen strahlten gestern Morgen Gabriele Fehrenbach und Keith Bunyan: Sie hatten die erste Nacht in ihrer neuen Wohnung in der Birkenhofscheune verbracht. Es war so herrlich ruhig, erzählten sie. Das wird sich spätestens nach den Feiertagen ändern, denn die alte Scheune ist immer noch Großbaustelle.
Baustelle ist auch noch ihre Wohnung, denn die Küche muss erst montiert werden, und die Möbel sind noch nicht aufgeschlagen. So schliefen sie nach dem Umzug aus Neustadt ins Dreisamtal auf den Matratzen auf dem Boden ihres künftigen Wohnzimmers mit Blick durch das große Rundbogenfenster, von wo aus man gestern sogar die Vogesen über dem Dunst des Rheintals sah.
Willi Sutter aus Neustadt, seit gut einem Jahr Besitzer der Scheune in der Birkenhofsiedlung, Geschäftsführer der Domiziel GmbH und erfahrener Sanierer von denkmalgeschützten Gebäuden, hat in wenigen Monaten geschafft, was ihm vor einem Jahr kaum jemand glauben wollte:
Unter dem riesigen Walmdach der denkmalgeschützten Scheune sind gewissermaßen acht Einfamilienhäuschen entstanden, ohne dass die wertvolle Holzkonstruktion groß beeinträchtigt wurde. Dass er seine Vision umsetzen konnte, verdankt er den einheimischen Handwerkern, die bei dem Ausbau Großartiges geleistet hätten, wie er gestern erzählte. Der Statiker hatte die Vorgaben gemacht, und es war vor allem Zimmermannskunst, in das schiefwinklige, nach einer Seite sich neigende Dach die neuen langen Gauben so einzubauen, dass man heute den Eindruck hat, sie wären schon immer Teil des Gebäudes gewesen. Beim Bau der Wohnungen wurde darauf geachtet, dass die Holzkonstruktion weitgehend unverändert und dass möglichst viel altes Holz sichtbar bleibt. So gibt es in manchen Räumen dicke wurmstichige Balken, unter denen man nur mit eingezogenem Kopf durchkommt. Von einer Wohnung aus wurde der Blick hinauf in die riesige Dachkonstruktion offen gehalten, in einem Raum im Erdgeschoss ist noch der Futtertrog Teil eines Raumes.
Willi Sutter geht davon aus, dass Ende Mai alle zwölf Wohnungen, eine davon bietet Raum für einen Gewerbebetrieb, bezogen sein werden. Vier der Appartements sind barrierefrei behindertengerecht gestaltet und in eine große Wohnung werden acht an Demenz erkrankte Menschen einziehen und rund um die Uhr betreut werden. Die Scheune sticht jetzt nicht nur wegen ihrer neuen Glasflächen ins Auge, ihr Holz erstrahlt in heller Farbe. Denn die Außenhaut wurde sandgestrahlt und wird jetzt im Laufe der Jahre wieder Patina bekommen. Auf dem Gelände vor der Scheune, wo jetzt noch Baumaterial lagert , wird ein großer Schwarzwälder Bauerngarten angelegt.

- Vom Abriss- zum Vorzeigeobjekt: Die „Goldene Krone“ in St.Märgen ist neuer Dorfmittelpunkt

- Die Villa Köchlin Steinen ist ein Musterobjekt dafür, dass sich substanzerhaltende Sanierung undwirtschaftliche Nutzung vertragen können

- Wohnen im winzigen Denkmal: Das Fischerhaus in Burkheim.
Badische Zeitung vom 25.10.2006
von Thomas Winckelmann
„Nein, sammeln will er sie nicht“, wehrt Willi Sutter ab, aber die Freude ist nicht zu übersehen: Nach dem Baden-Württembergischen Denkmalschutzpreis 2005 und dem renommierten Werkbund-Label erhalten Sutter und die Domiziel im November für ihr Engagement in Südbaden den Bundespreis für Denkmalschutz und auch der Landes-Denkmalschutzpreis 2006 geht nach Neustadt.
Aus Ruinen werden wieder Vorzeigeobjekte
Sanierung mit sozialem Engagement / Willi Sutter und die Domiziel in Titisee-Neustadt werden mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet
TITISEE-NEUSTADT. Ausgezeichnet wird mit dem Bundespreis nicht nur der Einsatz Willi Sutters in der Region für die Erhaltung alten Kulturgutes, sondern auch die Verbindung dieser Arbeit mit einem hohen sozialen Engagement. Das Team der Domiziel hat in Südbaden inzwischen einige bemerkenswerte Zeichen gesetzt. Immer wieder kümmerten sich Sutter und seine Mitstreiter um Gebäude, um die teils Jahre oder sogar jahrzehntelang gefeilscht und gestritten wurde, bis sie schier nicht mehr zu retten waren und der Abbruch die einzig mögliche Lösung erschien. Heute bereichern diese Häuser die Gemeinden und sind beliebte Vorzeigeobjekte. Dass sie es werden konnten, dafür bedurfte es der Beharrlichkeit eines Willi Sutter.
Die Villa Köchlin in Steinen im Wiesental gehört zu diesen Marksteinen, ebenso wie das Klösterle in Neustadt, das „Blaue Haus“ in Breisach und die „Goldene Krone“ in St Märgen. Eher unscheinbar, aber bautechnisch und vom denkmalschützerischen Wert her ebenso wichtig, ist die Sanierung eines kleinen Fischerhauses in Burkheim, für das Willi Sutter jetzt mit dem Baden-Württembergischen Denkmalpreis ausgezeichnet wird.
Das Besondere daran war nicht nur das winzige Haus mit einer Grundfläche von 35 Quadratmetern, das eigentlich vollkommen abbruchreif war, sondern auch die Tatsache, dass der Käufer der Leiter der Unteren Denkmalbehörde war. „Ich muss mal auf die andere Seite gehen“, meinte er im Gespräch mit Willi Sutter, mit dem er zuvor viele Diskussionen über andere Objekte geführt hatte, wenn sich Sanierer und Denkmalbehörde wieder einmal nicht ganz einig waren, wie und was erhalten werden sollte. „Ich hab' die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, erinnert sich Sutter an den ersten gemeinsamen Besichtigungstermin des Häuschens, das bereits seit 18 Jahren leer stand, Löcher im Dach hatte, bei dem teilweise die Decken durchgebrochen waren. Andererseits barg das Haus aus dem 17. Jahrhundert zahlreiche baugeschichtliche Kostbarkeiten. Diese zu erhalten, den Charakter des Gebäudes im denkmalgeschützten Stadtkern von Burkheim nicht zu verändern und dennoch im Inneren einen modernen Wohnraum mit Bezug zur Geschichte zu schaffen, das, so Sutter, „stellte an uns höchste handwerkliche Anforderungen.“ Die Arbeiten seien „sehr experimentell“ gewesen. Dass das Wagnis gelungen ist, zeigt ein Blick auf und in das kleine Haus. Der Hühnerstall am Treppenaufgang blieb ebenso erhalten, wie ein teil der rußgeschwärzten Decke, im Keller lässt es sich neben Resten der Stadtmauer gut wohnen und in der Küche stört nichts den Blick auf das alte Balkenwerk.
Bei der Sanierung wurde versucht, die wenige von der ursprünglichen Nutzung erhalten gebliebene Substanz weitestmöglich einzubeziehen - etwa einen mit Holz beheizbaren Küchenherd oder einen steinernen Küchen-Waschtrog. Das Haus wurde 1829 als „Wirtshaus St. Peter“ an die Breisacher israelitische Gemeinde verkauft, „samt Scheuer, Stallung, Garten, Hof und übrige Zugehördte ... zum Behufe eines Schulhauses“: Als solches hatte es bis 1876 Bestand, war dann wohl eine Zeit lang jüdisches Armenspital und schließlich, bis 1940, jüdisches Gemeindehaus. Das mittlerweile in apartem Dunkelblau erscheinende Gebäude im ehemaligen „Judenviertel“ der Breisacher Altstadt bietet eine markante Erinnerungsstätte an die Geschichte der Juden hier - denn neben Speyer und Worms war Breisach ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens am Oberrhein. Bis zur Deportation am 22. Oktober 1940 nach Gurs hatten sie ihr letztes spirituelles Refugium im ersten Stock des in diesem Haus, nicht weit von der zerstörten Synagoge am Ende der ehemaligen Judengasse.
Ein gewaltiger geschichtlicher Sprung vom jüdischen Armenhaus zum repräsentativen Haus eines reichen Textilfabrikanten wurde mit der Villa Köchlin in Steinen vollzogen, die samt dem sie umgebenden Parkgrundstück als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch eingetragen wurde. Wie er zu diesem Projekt gekommen ist? „Ich schaue mich immer in der Region um, wo stehen wunderschöne Häuser und wie werden sie kaputtgemacht“, erklärt Sutter. Der Kontakt zu der Villa im Wiesental kam, wie auch bei anderen Projekten, durch den Freiburger Architekten Frank Blum und den Bauunternehmer Michael Dyllick-Brenzinger zustande, der der für dieses Sanierungsvorhaben gegründeten Eigentümergesellschaft „Habitat“ das Haus für einen symbolischen Preis überließ. Im Gegenzug konnte er im Park zwei Neubauten errichten, die heute in einer modernen Variante das einstige historische Ensemble von Fabrikantenvilla, Kutscherhaus und Gärtnerhaus nachahmen. In der Villa selbst richtete „Domiziel“ im Auftrag von „Habitat“ nach den Plänen von Architekt Blum unter denkmalschützerischen Aspekten acht Wohnungen ein, die alle vermietet sind. Das Regierungspräsidium betrachtet die 1840 von dem Schweizer Industriellen Wilhelm Geigy-Lichtenhahn erbaute Villa und „einen Teil des umgebenden Parkgrundstücks“ als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung: „Die Erhaltung der Villa Köchlin mit Park liegt wegen des besonderen exemplarischen und dokumentarischen Wertes ... im gesteigerten öffentlichen Interesse.“ Das Gebäude gehöre zu den frühen Beispielen klassizistischer Wohngebäude mit einer fortschrittlichen Architektur und Formensprache ihrer Zeit, heißt es in dem Gutachten der Kunsthistoriker. Es besitze einen hohen Erinnerungswert zur industriellen Entwicklung des südlichen Markgräfler Landes. Der umgebende Park bilde mit der Villa eine Einheit. Er wurde um 1850 von einem Mitarbeiter des Botanischen Gartens Basel gestaltet. Auch hier wurde bei der Sanierung versucht, das Haus in den ursprünglichen Zustand zurückzuführen und dennoch zeitgemäßes Wohnen zu ermöglichen. Versteht sich, dass die alten Stuckarbeiten an den Decken erhalten blieben, ebenso wie die schönen Parkett- oder Fliesenböden und die Eichentüren. Ebenfalls ein Vorzeigeobjekt ist die „Goldene Krone“ in St. Märgen. Auch dieses einst renommierte Hotel war lange vom Abriss bedroht und wurde von einer Interessengemeinschaft aus dem Ort mit Hilfe der „Domiziel“ gerettet, saniert und ist heute ein Aushängeschild der Gemeinde. Bei der Einweihung meinte Landrat Jochen Glaeser, die „Goldene Krone“ zeige zum einen, dass bürgerschaftliches Engagement viel bewirke, zum anderen, dass Denkmäler Identität stiften. „Sie dürfen nicht als Last und Belastung angesehen werden“, betonte er, „sondern als Chancenbündel“. Die „Krone“ war bereits Gegenstand eines Filmes, den der SWR in St. Märgen drehte und vor Kurzem informierten sich Architekten und Bauingenieure aus Japan über das ökologische Energiekonzept, das in dem Altbau verwirklicht wurde.
Im vergangenen Jahr wurde das Objekt mit dem Landwirtschaftspreis ausgezeichnet und außerdem ging der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg 2005 an die „Goldene Krone“, die 1757 erbaut anfangs als Kloster-Herberge diente. Später wandelte sie sich zum Gasthof und zum führenden Grandhotel im Schwarzwald. Berühmte Gäste wie Edith Stein, Karl May, Konrad Adenauer und mehr haben ihren Namenszug in die Gästebücher eingetragen. In den 1960er-Jahren fehlte das Geld für Renovierungen und so stand das Hotel Jahre leer, bis der Förderverein „Lebendiges Dorf“ 2003 das Haus kaufte. Elf Privatpersonen schlossen sich zur „Goldenen Krone GbR“ zusammen und setzten sich für die Erhaltung des Baudenkmals ein, in dem heute ein Café ist und der Jugendstilsaal für Veranstaltungen zur Verfügung steht.
Schließlich nicht zu vergessen ist das „Klösterle“ in Neustadt, das Ur-Objekt, an dem das denkmalschützerische Engagement von Willi Sutter und damit auch der „Domiziel“ seinen Anfang nahm, und viele andere Objekte in Titisee-Neustadt.
Infobox:
Sozialer Denkmalschutz
Die Domiziel GmbH ist ein Bauunternehmen, das seit 1998 besteht. Es wurde von Bauhandwerkern, die vormals selbstständig im Bereich der Altbausanierung und des Denkmalschutzes tätig waren, von einem Architekten und Bauingenieur und Sozialarbeitern gegründet. Ziel des Unternehmens ist es, günstigen Wohnraum für Personen zu erstellen, die keinen oder erschwerten Zugang zum Wohnungsmarkt haben und nach dem Landeswohnungsbauprogramm als „besondere Bedarfsgruppen“ definiert werden. Die Wohnbauprojekte werden daher durch das Land Baden-Württemberg mit zinsverbilligten Darlehen und Zuschüssen gefördert. Domiziel bietet bei der Sanierung Arbeit für ehemals Wohnungslose und leistet somit einen Beitrag zur Integration. Die Häuser und Wohnungen in Altbauobjekten werden nach neuesten baubiologischen Erkenntnissen saniert, dabei die vorhandene Bausubstanz weitgehend erhalten und städtebauliche Besonderheiten berücksichtigt. Zunehmend konzentriert sich Domiziel auf denkmalgeschützte Objekte.
Badische Zeitung vom 02.10.2006
von Alexandra Wehrle
Beeindruckt vom Streben alte Bauten zu erhalten
Architekten und Bau-Ingenieure aus Japan lassen sich von Willi Sutter das ökologische Energiekonzept der Goldenen Krone erläutern
ST. MÄRGEN. Über das ökologische Energiekonzept, das in der Goldenen Krone verwirklicht worden ist, und über Altbausanierung im Allgemeinen, informierten sich kürzlich vier Architekten und Bauingenieure aus Japan. Dank ausgeklügelter Dämmung und dem Einbau einer Holzpelletsheizung liegt die Krone unterhalb des Standards für Neubauten. Fasziniert lassen sich Hiromi Watanabe, Iwaoka Shigeki, Keijiro Hayashi und Takekoma Hiroyuki von Willi Sutter, der mit seiner Firma Domiziel die Sanierung betreut hat, durch die Goldene Krone führen. In Japan werden alte Gebäude selten renoviert, sondern wegen mangelndem Fachwissen und Gleichgültigkeit gegenüber Kulturdenkmälern meistens abgerissen, wie Noriaki Ikeda, Pressereferent der Holzkette Schwarzwald erklärt. Über ihn ist der Besuch zustande gekommen.
Besonders interessieren sich die vier für die Holzpelletsheizung. Begeistert bestaunen sie das Kellergewölbe und vor allem den großen Pufferspeicher der Heizung. Das energetische Gesamtkonzept haben die Bauherren vom Förderkreis Lebendiges Dorf zusammen mit ihrem Heizungsbauer selbst erarbeitet. Mehrere Maßnahmen greifen ineinander. Die Wände und das Dach sind dick mit Isofloc gedämmt, der Boden zum Keller mit Styrodur. Fenster und Außen- sowie Balkontüren sind selbst aus Isolierglas oder, wie etwa bei der Gartentür im Landfrauen-Café, mit einer zusätzlichen Isolierglastür versehen. So konnten die alten Türen erhalten werden. Alles zusammen ergibt einen rechnerischen Wärmebedarf von 65 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Ein normaler Neubau hat einen Bedarf von 75 Kilowattstunden. Enorm verringert werden konnten die CO2-Emissionen, wie Sutter erklärt. Vor der Sanierung lagen sie in der Krone bei 237 Tonnen pro Jahr, nun liegen sie noch bei 30 Tonnen. Eine Minderung von 207 Tonnen „ist schon 'ne eindrückliche Zahl“.
Im Jugendstilsaal entdeckt einer der japanischen Gäste die alten, restaurierten Heizkörper. „Die funktionieren“, erklärt Sutter. Früher seien sie mittels einer Dampfheizung erwärmt worden, heute über einen normalen Wasserspeicher. Den Kachelofen im Café betrachten die vier besonders lange. Er wird ebenfalls von der Pelletsheizung gespeist
Die Heizung hat eine Leistung von 99 Kilowattstunden bei einer Wohnfläche von 1500 Quadratmetern inklusive Café und Jugendstilsaal. Beim Einbau konnte die alte Kaminanlage genutzt werden, wie Sutter sagt. Sie musste im Keller nur verlängert werden. Der Lagerraum kann 20 Kubikmeter Pellets aufnehmen. Er wird zweimal im Jahr gefüllt.
Beeindruckt meint einer der japanischen Ingenieure, der Austausch zwischen Japan und Deutschland im Bereich der Ökologie müsse auf jeden Fall ausgebaut werden. Denn in ihrem Land haben die vier noch viel zu tun. Pelletsheizungen seien rar, so Ikeda. Meist werde mit l geheizt, und zwar dezentral, so dass fast jedes Zimmer eine eigene Heizung habe. Das sei sehr umständlich, räumt er ein, „deswegen heizen die Japaner wenig“ und nur die Räume, die oft genutzt werden. Das verursache in den Häusern große Temperaturunterschiede und in der Folge oft Schimmelbefall. „Holz gibt es schon“, sagt Forstwirt Ikeda, Japan besitze doppelt so viel Wald wie Deutschland, „aber die japanische Forstwirtschaft funktioniert nicht so wie hier.“ Nur 50 Prozent der teils sehr steilen Waldflächen, auf denen vor allem Zedern, Zypressen, Kiefern und Lärchen wachsen, würden genutzt. Deshalb kaufen die Japaner Holz zu. „Aber eigentlich könnte man sich selber versorgen“, so Ikeda. Er selbst arbeite beruflich daran. Es sei ein grundlegendes Problem in Japan, dass zwar die Technologie vorhanden sei, aber das Bewusstsein für umweltschonendes Bauen und Heizen fehle. „Die Verbraucher haben keine Ahnung“, Firmen wollten nur viel Geld verdienen. Deshalb werde zum Beispiel nicht so dick gedämmt wie in Deutschland: statt 30 Zentimeter nur zehn bis 15 Zentimeter. Es fehle an Konzepten. Wohl deshalb sind die vier Ingenieure so beeindruckt von der Goldenen Krone. Gern nehmen sie das Angebot Sutters an und besichtigen noch die Birkenhofscheune in Kirchzarten-Burg, die für Wohnzwecke saniert und umgebaut wird. Sie soll einen Energiestandard von nur 40 Kilowattstunden erreichen.
Badische Zeitung vom 02.09.2006
von Thomas Winkelmann
Ein langer Kampf gegen den Bagger
Willi Sutter erhält den Deutschen Preis für Denkmalschutz
TITISEE-NEUSTADT. „Wenn ich im November diesen Preis erhalte, so nehme ich ihn stellvertretend für viele Mitstreiter entgegen“, sagt Willi Sutter (45). Und der Geschäftsführer der Domiziel GmbH bekräftigt dies mit dem Nachsatz: „Dies zu sagen ist mir sehr wichtig“. Durchaus streitbar, wenn es um die Sache geht, oder wenn Intoleranz oder Ignoranz im Spiel sind, arbeitet er bescheiden im Hintergrund und muss dennoch bald an die große Öffentlichkeit: Sutter wird im November in Weimar mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet.
Auf Vorschlag des Landesamtes für Denkmalpflege wird Sutters Engagement für die Sanierung und neue Nutzung zahlreicher Baudenkmäler in der Region mit der Silbernen Halbkugel gewürdigt. Hinter dem beispielhaften Einsatz für die Erhaltung alter Baukultur steckt aber viel mehr: Ein großes soziales Engagement für Benachteiligte und Gestrauchelte.
Nicht einfach nur abreißen, sondern erhalten, Altes mit Neuem verbinden, denkmalgeschützte Häuser bewahren, wirtschaftlich betreiben und dabei gleichzeitig Menschen in schwierigen Lebenslagen die Aussicht auf eine bessere Zukunft zu geben, diesen Spagat haben Willi Sutter und die Domiziel erfolgreich geschafft. Das Modell hat weit über die Region hinaus Beachtung gefunden. Die Meriten will er nicht alleine in Anspruch nehmen: „Domiziel ist ein Team“, sagt Willi Sutter und verweist auf seine Mitstreiter Karsten Albert („er ist mit Herz und Seele dabei“), Statiker Harald Rheinberger („er ist immer da, wenn’s klemmt“), Thomas und Michael Kleiser („sie haben viele Häuser mit saniert“). Das Quintett fungiert als Gesellschafter der Domiziel GmbH. Und er nennt auch die „Menschen im Umfeld“ wie Wolfgang Fugmann, der bei vielen Vorhaben eine tragende Rolle spielt und Sibylle Steinweg, die gerade auch Projekte in Neustadt mit Kultur und damit mit Leben füllt. Ideengeber, Initiator und unermüdlicher Motor ist dennoch Willi Sutter, der sich seit über 20 Jahren ganz dem Erhalt von altem Kulturgut verschrieben hat, seine Ideen von einer sozialen, toleranten und umweltbewussten Gemeinschaft, die er jahrelang auch als junger und streitbarer Gemeinderat der Grünen vehement vertreten hat, auch tatsächlich lebt und erfolgreich in die Realität umsetzt. Mit alten Häusern in seiner Heimatstadt Neustadt hat alles begonnen und Sutter wird rasch energisch, wenn er auflistet, was alles in der Wälderstadt in früheren Jahren gedankenlos der Abrissbirne geopfert wurde, unwiederbringlich verloren gegangen ist. „Die kulturelle Identität einer Gemeinde wird auch durch ihre Gebäude repräsentiert“, erklärt der Domiziel-Geschäftsführer und erinnert an so stadtbildprägende Häuser wie die alte Sparkasse, das Amtsgericht, das Forstamt und die alten Höfe am Fuße des Pfauensüchs, die Neubauten oder Parkplätzen weichen mussten. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium und dem Zivildienst in der Betreuung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen, war der Streit zwischen den jungen Grünen-Stadträten und der abrissbereiten Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit um das Klösterle, eines der ältesten Gebäude der Stadt, eine Initialzündung. Sutter und Mitstreiter Leopold Winterhaider scharten eine Bauherrengemeinschaft um sich, die ohne Eigenkapital das heruntergekommene Gebäude erwarb und mit viel Eigenarbeit und Idealismus bewies, dass auch Altes erhaltenswert sein kann. Handwerkliche Erfahrung sammelte die Gruppe bereits zwei Jahre zuvor mit der Rettung des Hilpertenhäusle. Von vielen als „verrückte Idee“ abgetan, bauten sie das alte Leibgedinghaus im Spriegelsbach Balken für Balken ab und auf einem Grundstück in Waldau wieder originalgetreu auf. Noch heute dient es als Wohnhaus. Schmunzelnd erinnert sich Sutter an die jugendlich unbekümmerte Idee, das Hilpertenhäusle als Ganzes per Hubschrauber an seinen neuen Standort zu versetzen. „Wir haben um vieles gekämpft“, sagt er im Rückblick auf die 80er-Jahre und die zahlreichen Häuser, die in der Wälderstadt zur Disposition standen. Er selbst näherte sich immer mehr einer professionellen Sanierung von Kulturdenkmälern, eignete sich „autodidaktisch“, wie er selbst sagt, Fähigkeiten in vielen handwerklichen Bereichen an.
Über weitere Teile des ehemaligen Kapuziner-Klosters, eine Kapelle im Reichenbachtal und die Restaurierung der Urishof-Mühle im Jostal, wurde 1997 mit dem Kauf und der Sanierung eines landwirtschaftlichen Gebäudes in Neustadt, dem Haus Wilhelm-Stahl-Straße 11, der Grundstock für die Kombination von sozialem Engagement, Denkmalschutz und der heutigen Domiziel GmbH gelegt. Auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft für Gefährdetenhilfe (AGJ), eine Abteilung der Caritas, wurden seitdem immer ehemals Wohnungslose bei der Sanierung alter Gebäude beschäftigt. Sie erhielten nicht nur durch die gezielte Anleitung und Arbeit einen Halt, sondern auch in den fertigen Häusern eine Wohnung. „Es ist falsch, wenn man sich darüber erhebt, dass jemand auf der Straße lebt“, sagt Sutter. Auch wenn Menschen mit Behinderungen, mit Alkohol- und psychischen Problemen danach noch viel Zuspruch und Begleitung brauchen, - eine Arbeit, die für ein Bauunternehmen absolut nicht selbstverständlich ist -, freut sich Sutter darüber, dass viele der einst Gestrauchelten wieder einen Weg zurück in ein geregeltes Dasein gefunden haben. Dabei weiß Sutter aus der jahrelangen Begleitung der Domiziel-Schützlinge: „Immer im Leben zu bleiben, ist ein harter Kampf“
„Es hat ein Wandel stattgefunden“ Willi Sutter
„Ziel des Unternehmens ist es, günstigen Wohnraum für Personen zu erstellen, die keinen oder sehr erschwerten Zugang zum allgemeinen Wohnungsmarkt haben“, umschreibt er die Philosophie von Domiziel. Auf diesem Wege entstanden alleine in Neustadt bisher 80 Wohnungen in verschiedenen Altbauobjekten. Das Modell machte Schule. Im Laufe der Jahre kamen ähnliche Objekte auch in Freiburg und in Emmendingen dazu, ergänzt durch frei finanzierte Wohnungen, Wohnraum für große Familien, Läden und Büros in denkmalgeschützten Gebäuden. Inzwischen betreut die Gesellschaft rund 120 Wohnungen. Der Aktionsradius wurde immer größer. Viel Lob gab es unter anderem für die Restaurierung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses in Breisach. Für die Projektleitung bei der Sanierung der Goldenen Krone in St. Märgen gab es im vergangenen Jahr den Baden-Württembergischen Denkmalpreis. Auf die markante Villa Köchlin in Steinen und ein historisches Fischerhaus in Burkheim folgte die Sanierung der großen Birkenhofscheune in Kirchzarten-Burg. Und der 45-jährige Bauleiter und Projektentwickler knobelt zusammen mit caritativen Verbänden und Behörden bereits an neuen Großprojekten in der Wälderstadt, in denen wieder soziales Engagement und die Erhaltung historischer Bausubstanz unter einem Dach vereint werden.
Zur Domiziel gesellte sich die „Bodenständig e.G“, die Mieter zu Genossen macht und unter anderem in Emmendingen in Zusammenarbeit mit der Stadt, der Caritas, der AGJ und anderen Verbänden Wohnungsprojekte verwirklicht. Eine enge Kooperation, die sich Sutter in dieser Form auch anderenorts wünschen würde. Und er vermisst eine „soziale Feuerwehr“, die schnell eingreifen kann, wenn Menschen mit Problemen abzurutschen drohen.
„Wir haben über 40 Appartements mit einem schwierigen Personenkreis“, umschreibt Sutter das Problem und die wesensfremden Aufgaben des „Domiziel“-Büros: „Wir merken es als erstes, wenn etwas nicht läuft“. Vor allem Waltraud Sorgius merkt es. Sie ist im Büro Sorgentelefon, Betreuerin, Sekretärin und Erst-Helferin in schwierigen Lebenslagen. Bei allem Einsatz sieht Sutter in der Wälderstadt nun einen Erfolg des 21-jährigen Kampfes für den Erhalt alten Kulturgutes: „Es hat ein Wandel stattgefunden“, stellt er fest, „niemand denkt mehr zuerst über einen Abriss eines Hauses nach, da man gesehen hat, es bringt 'was, alte Gebäude zu sanieren.“
Badische Zeitung vom 13.07.2006
von Thomas Winckelmann
Ein Gewinn für soziale Integration und die Gemeinden
Deutscher Werkbund zeichnet „Domizier Titisee-Neustadt aus / Vom Land für den Deutschen Denkmalpreis vorgeschlagen
TITISEE-NEUSTADT. Sie arbeiten bescheiden im Stillen und stellen immer wieder unter Beweis, dass sich wirtschaftliches Arbeiten und großes soziales Engagement nicht ausschließen. Die Projekte der Titisee-Neustädter Firma „Domiziel“ in Neustadt setzen immer wieder Impulse, die auf den ganzen Ort ausstrahlen. Das Unternehmen um die Neustädter Willi Sutter und Carsten Albert wird morgen, Freitag, 14. Juli, in Offenburg mit dem Werkbund-Label ausgezeichnet. Daneben wurde „Domiziel“ für den Deutschen Denkmalpreis vorgeschlagen. Der Deutsche Werkbund, ein Zusammenschluss kreativer Personen, Firmen und Institutionen aus unterschiedlichen Disziplinen, ist unter anderem in Architektenkreisen sehr renommiert. Er vergibt in diesem Jahr zum ersten Mal das Werkbund-Label für Projekte und Initiativen, die sich durch herausragende innovative oder gestalterische Qualitäten und soziale oder politische Vorbildfunktion hervorheben.
Unter neun Projekten hat der Vorstand des Werkbund Baden-Württemberg auch die Titisee-Neustädter Domiziel als einen der ersten Träger des neuen „Qualitätssiegels“ ausgewählt Bewertungskriterium war, dass die Projekte und Initiativen innovativ, interdisziplinär und zukunftsweisend sein, hohe gestalterische Qualität besitzen, soziale oder politische Vorbildfunktion haben, umweltfreundliche Technologien und Energien einsetzen sowie Modellcharakter haben sollten. Auch die Förderung zivilgesellschaftlicher Entwicklungen durch Mut, unkonventionelles Vorgehen, Querdenken und Eigeninitiative wird vom Werkbund honoriert Mit dem neuen Label soll der „Domiziel“ zu mehr öffentlicher Anerkennung verholfen werden. Der Werkbund will damit deutlich machen, was seiner Meinung nach wichtig ist für die Gestaltung von Zukunft und für die Bewältigung dringlicher gesellschaftlicher Fragen. Die Auszeichnung wird künftig alle zwei Jahre verliehen. Der Deutsche Werkbund wurde 1907 gegründet und ist bis heute ein wichtiger Impulsgeber, wenn es um Zukunftsfragen in Architektur, Städtebau, Design, Ökologie, Erziehung und Bildung geht. Zu seinen Mitgliedern zählten und zählen Persönlichkeiten wie Theodor Heuss, Walter Gropius, Mia Seeger, Egon Eiermann und Walter Jens. Für das Werkbund-Label kann man sich nicht bewerben, die Projekte werden von der Organisation selbst ausgesucht „Der Werkbund ist an uns herangetreten“, bestätigte Domiziel-Geschäftsführer Willi Sutter auf Anfrage, der sich über die „große Ehre“ besonders freut.
In Deutschland leben schätzungsweise 345 000 Menschen in ungesicherten Wohnverhältnissen, in Notunterkünften oder auf der Straße. Für Wohnungslosigkeit gibt es viele Ursachen: Straffälligkeit, Überschuldung, gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Ausbildung setzen oft eine Spirale der sozialen Ausgrenzung in Gang. Ziel des Unternehmens Domiziel ist es, günstigen Wohnraum für diese „besonderen Bedarfsgruppen“ zu erstellen.
Dazu erwirbt es denkmalgeschützte, meist abbruchreife Häuser und beteiligt die arbeits- und wohnsitzlosen Menschen an den Bauarbeiten, um ihre gesellschaftliche Wiedereingliederung zu erreichen. Die meist ungelernten Mitarbeiter erhalten dadurch eine fachliche Qualifikation in der Baubranche und zumindest einen befristeten Arbeitsvertrag bei der Domiziel GmbH. Durch die Qualifizierung haben sie die Chance, später eine unbefristete Anstellung bei einer anderen Baufirma zu bekommen.
Das Bauunternehmen Domiziel wurde 1998 von Bauhandwerkern, Sozialarbeitern und einem Architekten gegründet Hervorgegangen ist das Unternehmen aus Handwerkerzusammenschlüssen, die bereits in den Jahren zuvor dieselben sozialen und denkmalpflegerischen Ziele verfolgten. Ursprungsobjekt war das „Klösterle“ in Neustadt, das nach Hausbesetzungen und heftigem Widerstand gegen die Abrisspläne der Stadt, von damals jungen und engagierten Studenten und Handwerkern erworben und mustergültig saniert wurde.
Auch heute noch saniert „Domiziel“ die Gebäude nach neuesten baubiologischen Erkenntnissen, unter weitestgehendem Erhalt vorhandener Bausubstanz und unter Berücksichtigung der vorhandenen städtebaulichen Besonderheiten. Nach Fertigstellung können die Mitarbeiter darin selbst eine Wohnung beziehen. Bisher entstanden in zwölf Gebäuden 44 Wohnungen für Obdachlose, 19 Sozialwohnungen für Familien, eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke, gewerbliche Räume, Verkaufs- und Büroflächen. Insgesamt wurden für 6,5 Mio. Euro Immobilienwerte geschaffen. Für die Preisverleihung des Werkbundes am Freitag in Offenburg mussten alle Objekte zusammengestellt und dokumentiert werden. „Es war einem gar nichtbewusst, wie viel wir 20 Jahren schon gemacht haben“, meinte Willi Sutter gestern. Dabei, das bestätigten Fachleute in den vergangen Jahren immer wieder, agiere das Unternehmen - unterstützt von verschiedenen Betreuungseinrichtungen - mit einer sozialen, handwerklichen und wirtschaftlichen Kompetenz, die keinen Vergleich zu scheuen brauche. Das würdigte auch der Werkbund: „Mit ihren Projekten, die Menschen zu einer Wohnung und zu beruflicher Qualifizierung verhelfen, leistet die Firma Domiziel einen erheblichen Beitrag zur sozialen Integration. Auch unter städtebaulichen Aspekten ist die Tätigkeit des Unternehmens ein Gewinn für die Gemeinden.“
22 Kulturdenkmäler wurden durch die Bemühungen des Titisee-Neustädter Unternehmens der Nachwelt erhalten. Dabei beschränken sich die Aktivitäten schon lange nicht mehr auf den Hochschwarzwald. Die Liste reicht vom „Blauen Haus“ der jüdischen Gemeinde in Breisach, über die „Krone“ in St. Märgen und die „Villa Köchlin“ in Steinen bei Lörrach bis zur Birkenhof-Scheune in Burg-Birkenhof, an der zur Zeit noch gearbeitet wird. Sutter: „Ein denkmalpflegerisch sehr wichtiges Projekt“.
Aber auch in Titisee-Neustadt hat man bereits seit Jahren ein Objekt im Auge, von dem ähnlich positive Impulse auf den Ort ausgehen könnten, wie bei der „Goldenen Krone“ in St. Märgen“: Die Basilischmiede. „Es wäre schön, wenn man da endlich weiterkäme“, sagt Sutter an die Adresse der Stadt als Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses, das immer mehr verrottet.
Das Engagement von Domiziel wurde auch vom Regierungspräsidium gewürdigt. Die Freiburger Behörde empfahl das Unternehmen dem Landesdenkmalamt vor und auch dort wurde die Arbeit des Unternehmens als vorbildlich eingestuft und Domiziel für den Deutschen Denkmalpreis vorgeschlagen. „Es wäre toll, wenn wir unter die Ersten kämen“, hoffte Willi Sutter gestern.
Badische Zeitung vom 29.04.2006
von Ingrid Jennert
Villa Köchlin zu neuem Leben erweckt
STEINEN. Die renovierte Villa Köchlin wurde samt dem sie umgebenden Parkgrundstück als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch eingetragen. Außerdem hat sie eine neue Adresse bekommen: Am Weiheracker 80.
In ihrer nächsten Umgebung stehen zwei eigenständige Neubauten rechts und links von dem herrschaftlichen Gebäude vor der Vollendung. Mit ihnen wird quasi in einer modernen Variante das einstige historische Ensemble von Fabrikantenvilla, Kutscherhaus und Gärtnerhaus nachgeahmt. „Kavaliershäuser“ nennt der Investor, die Firma Mark's Immobilien Sursee aus der Schweiz, die beiden Häuser, in denen jeweils drei großzügige Eigentumswohnungen bis zum Sommer bezugsfertig sein werden. Laut Geschäftsführer Michael Dyllik-Brenzinger werden die Außenanlagen nach Fertigstellung der Neubauten gemeinsam mit dem Käufer der Villa in einem Guss für das gesamte Areal gestaltet.
Wie berichtet, hat Mark's Immobilien die Villa zu einem symbolischen Preis an die Firma Habitat GbR abgegeben, unter deren Ägide sie mittlerweile unter denkmal-schützerischen Aspekten renoviert wurde. Es entstanden dabei acht Wohnungen, die alle vermietet sind. Der wieder gebildete Innenhof auf der Nordseite des Ensembles werde autofrei gehalten, so Brenzinger weiter. Die Zufahrt sei als Privatweg konzipiert Parkplätze für die Bewohner der Villa werden neben dem östlichen neuen Wohngebäude weiter in Richtung Osten angelegt. Bei den Neubauten sind pro Wohnung zwei ebenerdige Stellplätze eingeplant, die auch als Carports ausgeführt werden könnten. Das Regierungspräsidium betrachtet die in den 1840er Jahren von dem Schweizer Industriellen Wilhelm Geigy-Lichtenhahn erbaute Fabrikantenvilla und „einen Teil des umgebenden Parkgrundstücks“ als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. „Die Erhaltung der Villa Köchlin mit Park liegt wegen des besonderen exemplarischen und dokumentarischen Wertes ... im gesteigerten öffentlichen Interesse“, teilt die Abteilung Wirtschaft, Raumordnung, Bau-, Denkmal- und Gesundheitswesen mit. Das Gebäude gehöre zu den frühen Beispielen klassizistischer Wohngebäude mit einer fortschrittlichen Architektur und Formensprache ihrer Zeit, heißt es in dem Gutachten der Kunsthistoriker. Als ehemaliger Wohnsitz eines Textilfabrikanten besitze sie hohen Erinnerungswert zur industriellen Entwicklung des südlichen Markgräfler Landes und insbesondere der Raumschaft Lörrach. Sie sei zudem ein charakteristisches Zeugnis des Villenbaus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wiesental und bezeuge die Wohnkultur und den Repräsentationswillen eines für die Region wichtigen Textilfabrikanten. Zu erforschen sei hier auch der baukünstlerische Einfluss der Stadt Basel. Der umgebende Park bilde mit der Villa eine Einheit. Er wurde um 1850 von einem Mitarbeiter des Botanischen Gartens Basel gestaltet Der alte Baumbestand sei noch erhalten, ebenso seien Reste der Anlage, wie etwa Wegführungen noch zu erkennen. Mit der Fertigstellung der „Kavaliershäuser“ dürfte in der Öffentlichkeit das schier endlos erscheinende Kapitel Villa Köchlin seinen Abschluss finden. Dyllik-Brenzinger wartet allerdings noch auf die Änderung des Bebauungsplanes Steinen-Ost Dieses Thema steht auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch. Für seine Bereitschaft, die Villa quasi zu verschenken, um sie zu erhalten, habe er neben der Lösung mit den Kavaliershäusern von der Gemeinde auch die Zusage für zwei weitere Mehrfamilienhäuser westlich des Ensembles erhalten, so Brenzinger.
Badische Zeitung vom 28.04.2006
von Karlheinz Scherfling
Neues Leben in das Denkmal
Willi Sutter (Neustadt) erneuert Birkenhofscheune Kirchzarten
KIRCHZARTEN/TITISEE-NEUSTADT. „Gut Ding braucht Weil’“ heißt ein Sprichwort. Nun, für die Birkenhofscheune im Ortsteil Burg-Birkenhof wäre die Zeit fast davongelaufen. Um das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten, suchte der Besitzer jahrelang einen Investor. Es gab etliche Zusagen, denen jeweils wieder Absagen folgten. Jetzt stehen Baufahrzeuge vor der Scheune, jetzt ist die Zukunft des ortsbildprägenden riesigen Walmdachs gesichert.
Für den vormaligen Besitzer der mehrere hundert Jahre alten Scheune, Michael Dyllick-Brenzinger, war das Haus „keine Lust mehr, sondern nur noch Last“ gewesen, wie er gegenüber der BZ äußerte, als mal wieder ein Interessent abgesagt hatte. „Außer wohltuenden Worten“ habe er keine Unterstützung gefunden. Doch der Gemeinderat hatte ihm geholfen, die Verhandlungswege zu ebnen, indem er die Stellplatzfrage für die Scheune und das angrenzende Gasthaus Birke großzügig regelte. Als sich dennoch kein Interessent fand, der bereit war, „viel Geld in die Hand zu nehmen“ beantragte Dyllick-Brenzinger die Abbruchgenehmigung. Doch das ist jetzt alles Schnee von gestern. Seit kurzem stehen Baufahrzeuge auf dem Grundstück, aber nicht, um die Scheune abzureißen, sondern um den Bauschutt vom Umbau aufzunehmen. Denn kurz vor dem endgültigen Aus fand sich in Willi Sutter aus Titisee-Neustadt ein Interessent, der nicht nur Gefallen an dem alten Haus fand, sondern auch mit neuen Ideen an das Projekt heranging und es für 90 000 Euro kaufte. Für Sutter sind alte sanierungsbedürftige Gebäude nichts Neues. Vor 22 Jahren begann seine Arbeit mit Kulturdenkmälern mit der Sanierung eines Leibgedinghäusles in Falkau. Es folgten viele weitere Projekte in Südbaden und die Gründung der Firma Domiziel - Projekt Arbeiten und Wohnen. Dabei verfolgt Sutter häufig neben dem Denkmalschutz auch soziale Ziele, indem er zum Beispiel arbeitslose Handwerker in die Arbeit mit einbezieht oder aber Wohnraum für Wohnungslose schafft. Bekannte Projekte sind zum Beispiel das „Klösterle“ in Neustadt, jüngst die „Goldene Krone“ in St Märgen oder der „Hirschen“ in Freiburg-Ebnet, der zu einem Wohnraum für Demenzkranke ausgebaut wurde. Sutter legt bei den Sanierungen, wie er im Gespräch mit der BZ erklärte, großen Wert auf kostengünstige Ausführung. So habe er den Ausbau der Birkenhofscheune mit rund 1150 Euro pro Quadratmeter kalkuliert, was etwa die Hälfte der üblichen Sanierungskosten von Baudenkmälern ausmache.
Unterm Scheunendach entsteht Wohnraum für rund 30 Menschen
Die Ausbaupläne hat Sutter eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt Oberkonservator Friedrich Jacobs bezeichnete die Größe der Scheune, sie misst in der Länge 35 Meter und in der Breite 16 Meter, als sehr problematisch für jeden Planer. Durch das tief reichende Dach müsste die Lichtfrage durch den Einzug von Gauben geklärt werden. Zudem könne an der Konstruktion nicht viel verändert werden, weil sonst die Statik gefährdet sei. Schließlich müssten auch der Brandschutz und die Wärmedämmung berücksichtigt werden, das alles bei einem möglichst hohen Erhalt der historischen Substanz. Dies alles will jetzt Sutter durch den Einzug von Betonwänden und -decken in den Griff bekommen, indem die Holzbauteile wie Balken, Wände, Türöffnungen, Schiebeläden jeweils auf einer Seite voll sichtbar bleiben und teils hinter Glas geschützt sind. So werden fünf „Reihenhäuser“ zwischen dem Gebälk entstehen mit 100 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Ebenen. Weiter sind vier behindertengerechte Appartements mit je 50 Quadratmetern geplant und eine Wohngruppe für acht demenzkranke Menschen. Am Westgiebel wird eine Tonnengaube für Licht sorgen, an den beiden Längsseiten je eine 30 Meter lange Gaube, die an frühere Lüftungsgauben erinnert. Beheizt werden die Wohnungen von einer Holzpelletsheizung. Sutter investiert rund 1,35 Millionen Euro in die Scheune. Die Wohnungen sollen zu 7,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Sutter will selbst in eine Wohnung einziehen, noch vor Weihnachten.
Badische Zeitung vom 26.04.2006
von Karlheinz Scherfling
Die Birkenhofscheune wird jetzt ausgebaut
Noch in diesem Jahr sollen die ersten Bewohner in das historische Gebäude einziehen / Wohnraum für rund 30 Menschen
KIRCHZARTEN. „Gut Ding braucht Weil’“ heißt ein Sprichwort. Nun, für die Birkenhofscheune im Kirchzartener Ortsteil Burg-Birkenhof wäre die Zeit fast davongelaufen. Um das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten, suchte der Besitzer jahrelang einen Investor. Es gab etliche Zusagen, denen jeweils wieder Absagen folgten. Jetzt stehen Baufahrzeuge vor der Scheune, jetzt ist die Zukunft des ortsbildprägenden riesigen Walmdaches gesichert.
Für den vormaligen Besitzer der mehrere hundert Jahre alten Scheune, Michael Dyllick-Brenzinger, war das Haus „keine Lust mehr, sondern nur noch eine Last“ gewesen, wie er gegenüber der Badischen Zeitung äußerte, als mal wieder ein Interessent abgesagt hatte. „Außer wohltuenden Worten“ habe er keine Unterstützung gefunden. Allerdings hatte der Gemeinderat ihm geholfen, die Verhandlungswege zu ebnen, indem er die Stellplatzfrage für die Scheune und das angrenzende Gasthaus „Birke“ großzügig regelte. Als sich dennoch kein Interessent fand, der bereit war, „viel Geld in die Hand zu nehmen“ beantragte Dyllick-Brenzinger eine Abbruchgenehmigung.
Doch das ist jetzt alles Schnee von gestern. Seit kurzem stehen Baufahrzeuge auf dem Grundstück, aber nicht, um die Scheune abzureißen, sondern um den Bauschutt vom Umbau aufzunehmen. Denn kurz vor dem endgültigen Aus fand sich in Willi Sutter aus Titisee-Neustadt ein Interessent, der nicht nur Gefallen an dem alten Haus fand, sondern auch mit neuen Ideen an das Projekt heranging und es für 90 000 Euro kaufte. Für Willi Sutter sind alte sanierungsbedürftige Gebäude nichts Neues. Vor 22 Jahren begann seine Arbeit mit Kulturdenkmälern mit der Sanierung eines Leibgedinghäusles in Falkau. Es folgten viele weitere Projekte in Südbaden und die Gründung der Firma Domiziel - Projekt Arbeiten und Wohnen. Dabei verfolgt Sutter häufig neben dem Denkmalschutz auch soziale Ziele, indem er zum Beispiel arbeitslose Handwerker in die Arbeit mit einbezieht oder aber Wohnraum für Wohnungslose schafft. Bekannte Projekte sind zum Beispiel das „Klösterle“ in Neustadt, jüngst die „Goldene Krone“ in St Märgen oder der „Hirschen“ in Freiburg-Ebnet, der zu einem Wohnraum für Demenzkranke ausgebaut wurde. Sutter legt bei den Sanierungen, wie er im Gespräch mit der Badischen Zeitung erklärte, großen Wert auf kostengünstige Ausführung.
Die Ausbaupläne hat Willi Sutter eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. Oberkonservator Friedrich Jacobs vom Landesdenkmalamt bezeichnete die Größe der Scheune, sie misst in der Länge 35 Meter und in der Breite 16 Meter, als sehr problematisch für jeden Planer. Durch das tief reichende Dach müsste die Lichtfrage durch den Einzug von Gauben geklärt werden. Außerdem könne an der Konstruktion nicht viel verändert werden, weil sonst die Statik gefährdet sei. Schließlich müssten auch der Brandschutz und die Wärmedämmung berücksichtigt werden und das alles bei einem möglichst hohen Erhalt der historischen Substanz. Dies alles will jetzt Willi Sutter durch den Einzug von Betonwänden und Betondecken in den Griff bekommen, indem die Holzbauteile wie Balken, Wände, Türöffnungen, Schiebeläden jeweils auf einer Seite voll sichtbar bleiben und zum Teil hinter Glas geschützt sind. Auf diese Weise werden fünf „Reihenhäuser“ zwischen dem Gebälk entstehen mit 100 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Ebenen. Außerdem sind vier behindertengerechte Appartements mit je 50 Quadratmetern geplant und eine Wohngruppe für acht demenzkranke Menschen. Willi Sutter investiert rund 1,35 Millionen Euro in die Scheune. Die Wohnungen sollen zu einem Preis von 7,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Sutter will selbst in eine Wohnung einziehen.
Badische Zeitung vom 08.04.2006
von Monika Rombach
Vorbild einer Rettung
„Krone“ im Film und in der Diskussion: Mut und Visionen gefragt
ST. MÄRGEN. „Das ist die Krone - So rettet man ein Stück Geschichte“: Unter diesem Titel strahlt das Südwest-Fernsehen heute, Samstag, 8. April, um 19.15 Uhr, in der Serie „Landesschau unterwegs“ einen Film von Sigrid Faltin über die „Goldene Krone“ aus. Menschen skizzieren aus ihrer Sicht den Weg einer ehemaligen Pilgerherberge des Klosters über die Stationen Grand Hotel, Asylantenwohnheim, Abrissprojekt - nun gerettet durch gekonnte Umnutzung.
Dicht drängte man sich im „Kronensaal“, der restaurierten guten Stube der Goldenen Krone, um bei der Erstaufführung mit anschließender Podiumsdiskussion dabei sein zu können.
„St. Märgen hat seine Mitte wieder gefunden“, resümiert das Werk der promovierten Filmemacherin Sigrid Faltin über das außergewöhnliche Bauwerk des Klosterbereichs, das heute privaten Wohn- und Lebensraum mit nachhaltiger öffentlicher Wirkung verbindet. Warum und auf welche Art, erzählen darin fünf Betrachter aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel, einschließlich der „Kronenwirtin“, Betreiberin des Landfrauencafés Goldene Krone.
Einer davon ist Josef Saier, mit Unterstützung seiner Ehefrau Claudia der Initiator des Krone-Projekts mit elf Beteiligten einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), die das Projekt ermöglichte. Am Anfang stand die Liebe, die Liebe zu seiner Heimat St. Märgen. Zu dem 400 Jahre alten Hof, auf dem er in 15. Generation aufwuchs, verbunden mit Historie und Tradition der Hochschwarzwaldgemeinde. Die Goldene Krone, die der Landesdenkmalpreis 2005 auszeichnete, als modernes Märchen? Ja! Sagt man Märchen nicht heilende Kräfte nach, aus Zeiten, „als das Wünschen noch geholfen hat“!
Zehn Drehtage, zehn Schnitttage und einen Tag des Abstimmens benötigte das Ergebnis von sehens- und nachdenkenswerten 30 Film-Minuten, das die Handschrift viel Wissens und Einfühlungsvermögens um und in die Materie trägt. Repräsentativ für St Märgen und Umgebung und sicherlich reizvolles Pilotprojekt für so manche „Krone“ im Dörfersterben landauf, landab, um zu retten, bevor noch mehr (Land-)Gemeinden durch Bausünden „ihr Gesichtverlieren“.
Sehr direkte Fragen zu diesem Thema stellten Sigrid Faltin, auch einige Besucher, bei der anschließenden spannenden Podiumsdiskussion mit Josef Saier, mit dem Bauleiter der „Krone“-GbR, Willi Sutter, (Bauunternehmen Domiziel, Titisee-Neustadt, Sanierungsbefürworter), mit Bauunternehmer Michael Dyllick-Brenzinger (ehemaliger Besitzer der Birkenhofscheune, Kirchzarten-Burg, Befürworter von Altbauabriss und Neubauerstellung), und Oberrieds Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter, in dessen Gemeinde eine Kloster-Scheune in Nutzungsfrage steht.
Mut gehört zu solchen Projekten, Wissen und ein Netzwerk aus wagemutigen Menschen mit Visionen, kristallisierte sich heraus. „Geld ist nicht alles“, dennoch spielt Geld eine große Rolle in der Diskussion um konventionellen Abriss oder unkonventionelle Sanierung, besonders die Ausschöpfung von Fördertöpfen. Auch die „andere Denke“ (so Dyllick-Brenzinger) und das Know-how unterschiedlicher Unternehmen über unkonventionelle Nutzungskonzepte (etwa bei der Birkenhofscheune, die Wohngruppen für Demenzerkrankte erhält). Außerdem solle man nicht nur polarisieren zwischen „alt“ und „neu“, auch zulassen, wo beides zusammenpasst, sagte Gemeinderat Thomas Simon. Bürgermeister Winterhalter steht am Beginn einer neuen Entscheidung zugunsten des Bestehenden, seine Vision in Oberried ziele auf die Belebung von Kauf- und Arbeitskraft in der Gemeinde ab. In Form einer „Dorferlebnisscheune mit Landfrauencafé“?
Badische Zeitung vom 15.02.2006
von Alexandra Wehrle
Eine Art Adventskalender
Der Südwestrundfunk dreht einen 30-minütigen Film über die „Goldene Krone“ und ihre Retter
ST. MÄRGEN. „Ich find‘ das toll, was die gemacht haben“, sagt Regisseurin Sigrid Faltin über die Restaurierung und Wiederbelebung der „Goldenen Krone“. Deshalb dreht sie für den Südwestrundfunk einen Film darüber. Am Montag wurden mit Hilfe eines Kamerakrans die Außenaufnahmen gemacht.
„Seit ihr so weit?“, ruft Faltin ihren Kollegen zu. „Auf Position zwei bitte.“ Erstmal wird geübt. Die Kamera, die auf dem eigens aus Heidelberg hierher transportierten Kran befestigt ist, schwenkt in den ersten Stock und nimmt Uli Nocke vom Förderkreis Lebendiges Dorf ins Visier, der im geöffneten Fenster steht. „Soll ich in die Kamera schauen?“, will Nocke wissen. Er soll. Dann schwenkt die Kamera ein Fenster weiter nach links, in dem Bauleiter Willi Sutter steht. „Willi, kannst du deine Mütze absetzen?“, ruft Faltin hinauf. Sutter protestiert. Josef Saier vom Förderkreis, der im Erker schräg darüber steht, sagt „Die Mütze ist das Markenzeichen von Willi. Die muss man schon lassen.“ Nützt alles nichts. Die Schirmmütze verschattet sein Gesicht. Sutter gehorcht. „Herr Hug, könnten Sie bitte kommen?“ Lehrer Ernst Hug steuert von links auf den Eingang zu, öffnet die Tür, tritt ein und ist verschwunden. Dann ist Beate Waldera-Kynast dran, die das Café im Erdgeschoss führt und versonnen aus einem ihrer Fenster blickt. Mehrmals werden die Einstellungen wiederholt, davor und dazwischen heißt es für Filmer wie Gefilmte warten, scherzen, Fotos knipsen. Die Geschichte des ehemaligen Grand Hotels wird anhand von fünf zentralen Gestalten erzählt, wie Faltin erklärt. Eigentlich sei die Gruppe derer, die für die Wiederbelebung der Krone verantwortlich seien, viel größer. „Aber ich musste mich einfach beschränken.“ Jeder der fünf steht für etwas anderes: Nocke für einen, der von außen gekommen ist und gesehen hat, wie schön St. Märgen ist. Saier für den Einheimischen, der in Nocke einen Gleichgesinnten gefunden hat. Sutter als Bauleiter für die Umsetzung ihrer Ideen, Waldera-Kynast für das Landfrauen-Café und Hug für einen, der als ehemaliger „Maître de Plaisier“ der Krone die Geschichte des Hauses erzählen kann.
Der Film wird 30 Minuten lang, zehn Drehtage sind dafür angesetzt. Seit voriger Woche wird gedreht. Die Außenaufnahmen, für die der Kamerakran nötig ist, wurden zweimal verschoben. „Letzte Woche haben wir schwer mit dem Sturm gekämpft“, erzählt Faltin. Nochmal verschieben wäre nicht gegangen, deshalb habe sie „ziemlich gezittert“, denn der Kran sei „sehr teuer“. Das Team, dem noch Kameramann Christian Zecha und Tontechniker Michael Karthäuser angehören, ist aus Freiburg, dreht aber für den SWR in Baden-Baden. Die Kran-Operateure Herbert Hanisch und Jörg Heinzmann sind von Droll-Film. Gedreht wird auch in der Umgebung. So sollen andere zentrale Gasthäuser wie die Krone gezeigt werden, die bedroht oder schon abgerissen sind: der „Ochsen“ in Tuningen und der „Pflug“ in Schopfheim. Aber auch Positivbeispiele wie der „Rabe“ in Horben und der „Hirschen“ in Ebnet.
Uli Nocke haben die Filmleute auch an seinem Arbeitsplatz in Furtwangen besucht. Denn die Beteiligten sollen in ihrem Umfeld gezeigt werden, erläutert Faltin, „um zu zeigen, wie unterschiedlich sie sind“. Damit sie weiß, was das Wichtigste in deren Leben ist, hat sie vorab mit ihnen Gespräche geführt. „Dann versuche ich, Bilder dafür zu finden.“ Was gefilmt wird, wirkt wie ein Adventskalender, aus dessen Türchen die Beteiligten schauen - ob Faltin weiß, dass die Krone schon als Adventskalender hergehalten hat? Saier sieht eher einen „St. Märgener Zoo“. Dieses Bild soll die Anfangseinstellung des Films werden.
„Das ist die Krone“ - wie man ein Stück Geschichte rettet“, lautet der Titel des Films, der am 8. April um 19.15 Uhr im Südwestfernsehen ausgestrahlt und am 6. April um 20 Uhr in der Krone vorab gezeigt wird.